Johannes 20 Maria am Grab

Johannes 20 Maria am Grab

Johannes 20 Maria am Grab Jesu – Liebe und Schnerz

Einleitung

In Johannes 20 begegnen wir einem der bewegendsten Bilder echter, ungeheuchelter Liebe zu Christus. Maria Magdalena kommt „früh, als es noch finster war“ zum Grab. Nicht der Sonnenaufgang treibt sie, sondern die Liebe zu ihrem Herrn. Während die Schatten der Nacht noch über Jerusalem liegen, sucht sie den einzigen Ort, der für ihr Herz noch Bedeutung hat.

Marias Liebe und Schmerz

Für Maria war die Welt leer geworden. Der Eine, der ihr Herz erfüllte, war nicht mehr da. Die Erde war für sie nichts als das Grab ihres geliebten Herrn. Doch das Grab ist leer. Dieser Fund erfüllt sie mit tiefem Schmerz. Selbst der Leib Jesu scheint verschwunden.

Petrus und Johannes gehen wieder heim. Maria bleibt. Wie könnte sie Ruhe finden, solange sie nicht weiß, wo ihr Herr ist? Ihre Worte an die Engel sind rührend: „Weil sie meinen Herrn weggenommen haben und ich nicht weiß, wo sie ihn hingelegt haben.“

Sie geht nicht nach Hause. Ohne Jesus hat sie keine Heimat mehr. Weinend steht sie vor der leeren Gruft.

Ein Spiegel für unser Herz

Welche Sprache spricht diese weinende Frau zu uns! Finden wir in uns eine solche persönliche Liebe zu Christus? Der Charakter unserer Tage ist oft Gleichgültigkeit gegenüber der Person Jesu. Erkenntnis ist reichlich vorhanden – aber Herzen sind trocken und kalt. Warum? Weil Christus selbst nicht den Platz einnimmt, den er bei Maria hatte.

Andere Dinge füllen das Herz. Die Hoffnung auf sein Kommen verliert ihre Frische. Das Auge sucht Ersatz in einer Welt, die Christus verworfen hat.

Die Mahnungen der Schrift sind aktueller denn je:

  • „Wache auf, der du schläfst…“ (Eph 5,14)
  • „Richtet auf die erschlafften Hände…“ (Hebr 12,13)

Die Begegnung im Garten

Während Maria noch mit den Engeln spricht, tritt Jesus selbst zu ihr. Sie hält ihn für den Gärtner. Ihre Antwort zeigt die Tiefe ihrer Liebe: „Sage mir, wo du ihn hingelegt hast, und ich werde ihn holen.“

Sie nennt seinen Namen nicht – für sie ist klar, dass jeder wissen müsse, wen sie sucht. Ihre Gedanken sind ganz von Jesus erfüllt.

Dann kommt der Augenblick: „Jesus spricht zu ihr: Maria!“ Sie erkennt seine Stimme und antwortet: „Rabbuni!“ – Lehrer.

Der Auferstandene steht vor ihr. Die Geschichte des ersten Gartens (Eden) endet am Kreuz; hier, im zweiten Garten, begegnen wir dem auferstandenen Menschen Christus und einer erlösten Frau, deren Liebe er so hoch schätzt, dass er sie mit der herrlichsten Botschaft beauftragt:

„Gehe hin zu meinen Brüdern und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.“

Schlussgedanke

Möge der Herr in Tagen der Verwirrung und geistlichen Dürre ein echtes Selbstgericht wirken, damit Hingabe und Eifer für seine Ehre neu aufleuchten.

Gebet

O Jesu, dass Dein Name bliebe Im Grunde tief gedrücket ein! Macht’ Deine süße Jesusliebe In Herz und Sinn gepräget sein! Im Wort, im Werk, in allem Wesen Sei Jesus und sonst nichts zu lesen!

Quelle BdH 1882 Maria am Grabe