Gedanken über 1. Johannes 1
1. Johannes 1 Was von Anfang an war
(BdH 1854)
1. Anlass des Briefes: Warnung vor Verführung
Der Apostel Johannes schreibt den Christen, um sie vor Verführung zu bewahren (1 Johannes 2,16). Mit ernster Stimme mahnt er:
„Kindlein, lasset euch niemand verführen“ (3,7).
Die Verführer waren vor allem solche, die nicht bekannten, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist. Johannes nennt sie Widerchristen, weil sie vom Geist des eigentlichen Antichristen beseelt waren.
2. Die Offenbarung des Lebens in Christus
Gleich zu Beginn hebt Johannes die zentrale Wahrheit hervor:
Jesus ist im Fleisch geoffenbart – gehört, gesehen, betrachtet, betastet – das Wort des Lebens.
Das Leben ist erschienen. Wir haben es gesehen, bezeugen es und verkündigen das ewige Leben, das beim Vater war und uns erschienen ist.
Christus ist das Leben. Wer den Sohn hat, hat das ewige Leben. Wir besitzen es in Ihm vollkommen. „Er ist uns gemacht von Gott zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung“ (1. Kor 1,30).
3. Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn
Was die Apostel gesehen und gehört haben, verkündigen sie, damit wir Gemeinschaft mit ihnen haben – und diese Gemeinschaft ist mit dem Vater und dem Sohn Jesus Christus. Das Leben bringt uns in diese selige Gemeinschaft. Wer das ewige Leben hat, sieht den Vater (Joh 14,9).
Der Geist des Vaters und des Sohnes in uns ist die Kraft dieser Einheit. Diese Gemeinschaft macht unsere Freude vollkommen (1 Joh 1,4).
4. Gottes Ratschluss und unsere Stellung
Nach Eph 1,4 wissen wir:
- wir sind vor Grundlegung der Welt in Christus erwählt
- wir sollen heilig und untadelig vor Ihm sein
- in Liebe
Dies ist Gottes Wesen: Er ist heilig, ohne Tadel und Liebe. Wir sollen ein Gegenstand sein, in dem Er sich selbst wiederfindet.
Wer die Hoffnung hat, Christus gleich zu sein, reinigt sich, wie Er rein ist (1 Joh 3,3).
5. Gott ist Licht
„Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm“ (1 Joh 1,5).
Wer sagt, er habe Gemeinschaft mit Gott, aber wandelt in der Finsternis, lügt (V. 6). Jeder Christ ist im Licht, weil er in Christus ist – aber er kann nicht nach dem Licht wandeln.
Das Bewusstsein der Gegenwart Gottes offenbart alles, was nicht dem Licht entspricht.
6. Die dreifache Stellung des Christen (V. 7)
- Wir wandeln im Licht, wie Er im Licht ist.
- Wir haben Gemeinschaft miteinander.
- Das Blut Jesu Christi reinigt uns von aller Sünde.
Das Fleisch kennt keine Gemeinschaft; darum ist Gemeinschaft nur möglich, wenn wir im Licht wandeln. Das Blut Christi reinigt uns, damit wir die Gegenwart Gottes genießen können.
7. Sünde und Sünden
- „Wir haben Sünde“ – das Wesen der Sünde bleibt in uns (V. 8).
- Aber wir stehen ohne Sünde vor Gott, weil das Blut Christi uns reinigt.
- „Wir haben gesündigt“ – die Tatsünden (V. 10). Wer das leugnet, macht Gott zum Lügner.
Wie tröstlich: Unser Hoherpriester ist mit seinem eigenen Blut im Heiligtum und vertritt uns. Es gibt keinen Grund, die Gemeinschaft mit Gott auch nur einen Augenblick zu verlieren.
Wenn wir sündigen, betrübt uns der Geist – aber Er führt uns zurück in die Gemeinschaft.
8. Drei Arten der Verführung (V. 6, 8, 10)
- Falsche Gemeinschaft: Sagen, man habe Gemeinschaft, aber in Finsternis wandeln → Lüge.
- Leugnen der Sünde: Sagen, man habe keine Sünde → Selbstverführung.
- Leugnen der Sünden: Sagen, man habe nicht gesündigt → Gott zum Lügner machen.
Demgegenüber wissen wir als Gläubige:
- Wir sind in Christus im Licht.
- Sein Blut reinigt von aller Sünde.
- Gott rechnet die Sünde nicht zu, und Jesus vertritt uns.
9. Das Bekenntnis der Sünden (V. 9)
Gott fordert unser Bekenntnis. Seine Vergebung gründet sich auf Treue und Gerechtigkeit – auf das Opfer Christi.
Er kann uns die Sünden nicht zurechnen, weil das Blut Christi vor seinem Angesicht ist.

