Römerbrief Kapitel 6 – Mit Christus gestorben, mit Christus lebendig
Röm 6 im Licht des Alten Testaments
Kernaussage: Römer 6 beantwortet die große Frage, die nach Römer 5 entsteht: Wenn wir aus Gnade gerettet sind – können wir dann weiter in der Sünde leben?
Paulus’ Antwort ist ein kraftvolles Nein. Warum? Weil Christen eine neue Identität haben: Wir sind mit Christus gestorben, mit Christus begraben, mit Christus auferstanden. Sünde ist nicht mehr unser Herr – Christus ist unser Herr.
Römer 6 ist das Kapitel der Freiheit und der neuen Zugehörigkeit.
1. Gliederung des Kapitels
- V. 1–4 – Mit Christus gestorben und begraben Taufe als Bild der neuen Identität.
- V. 5–11 – Mit Christus auferstanden Der alte Mensch ist gekreuzigt; wir leben in Neuheit des Lebens.
- V. 12–14 – Sünde soll nicht herrschen Wir sollen unsere Glieder Gott zur Verfügung stellen.
- V. 15–19 – Sklaven der Gerechtigkeit Früher Sklaven der Sünde – jetzt Sklaven der Gerechtigkeit.
- V. 20–23 – Der Lohn der Sünde und die Gabe Gottes Sünde führt zum Tod – Gottes Gabe ist ewiges Leben.
2. Theologische Schwerpunkte
2.1 Gnade ist keine Lizenz zur Sünde
Paulus stellt die provokante Frage:
„Sollen wir in der Sünde verharren, damit die Gnade zunehme?“
Seine Antwort:
„Auf keinen Fall!“
Warum? Weil Gnade nicht nur vergibt – sie verändert.
2.2 Taufe als Bild der neuen Identität (V. 3–4)
Taufe zeigt:
- wir sind mit Christus gestorben
- wir sind mit Christus begraben
- wir sind mit Christus auferstanden
Christsein ist nicht moralische Verbesserung – es ist ein neues Leben.
2.3 Der alte Mensch ist gekreuzigt (V. 6)
Paulus sagt:
- der alte Mensch wurde mitgekreuzigt
- der Leib der Sünde ist entmachtet
- wir sind nicht mehr Sklaven der Sünde
Das ist objektive Wahrheit, nicht Gefühl.
2.4 Lebt, was ihr seid (V. 11–14)
Paulus ruft dazu auf:
- „Haltet euch der Sünde für tot“
- „Haltet euch Gott für lebendig“
- „Stellt eure Glieder Gott zur Verfügung“
Heiligung ist Identität leben, nicht Identität verdienen.
2.5 Zwei Herren: Sünde oder Gerechtigkeit (V. 15–23)
Paulus zeigt:
- Niemand ist autonom
- Wir dienen entweder der Sünde oder der Gerechtigkeit
- Sünde führt zum Tod
- Gerechtigkeit führt zum Leben
Der berühmte Vers:
„Der Lohn der Sünde ist der Tod, aber die Gabe Gottes ist ewiges Leben.“
3. Linien ins Alte Testament
- Exodus 14–15 – Befreiung aus der Sklaverei (Bild für Römer 6).
- Hesekiel 36 – neues Herz, neuer Geist.
- Psalm 51 – Reinigung und Erneuerung.
- Jesaja 53 – Christus trägt die Sünde, wir leben.
- Josua 24 – „Wählt euch heute, wem ihr dienen wollt.“
4. Bezug zu heute – Anwendungen
4.1 Christliche Identität ist der Schlüssel zur Heiligung
Wir kämpfen nicht, um frei zu werden – wir kämpfen als Freie.
4.2 Sünde ist nicht mehr unser Herr
Wir fallen noch – aber wir sind nicht mehr versklavt.
4.3 Heiligung ist aktiv
Wir stellen uns Gott zur Verfügung – bewusst, täglich.
4.4 Gnade verändert
Gnade ist nicht billig – sie ist transformierend.
4.5 Ewiges Leben ist Geschenk
Nicht Lohn, nicht Verdienst – Gottes Gabe.
5. Übersichtstabelle
| Abschnitt | Inhalt | AT‑Bezüge | Bedeutung für heute |
|---|---|---|---|
| V. 1–4 | Mit Christus gestorben und begraben | Ex 14–15 | Neue Identität durch Christus |
| V. 5–11 | Mit Christus auferstanden | Hes 36 | Neues Leben in Christus |
| V. 12–14 | Sünde soll nicht herrschen | Ps 51 | Heiligung als gelebte Identität |
| V. 15–19 | Sklaven der Gerechtigkeit | Jos 24 | Wir dienen einem neuen Herrn |
| V. 20–23 | Lohn der Sünde, Gabe Gottes | Jes 53 | Tod vs. ewiges Leben |
6. Fazit
Römer 6 ist ein Kapitel der Freiheit. Christen sind nicht mehr unter der Herrschaft der Sünde – sie leben in der Kraft der Auferstehung. Gnade ist nicht Erlaubnis zur Sünde, sondern Befreiung von ihr. Wir gehören zu Christus – und das verändert alles.

