Und als Jesus ihren Glauben sah …“

Und als Jesus ihren Glauben sah …“

Markus 2,5

„Und als Jesus ihren Glauben sah, spricht er zu dem Gelähmten: Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“

Parallelstellen

  • Matthäus 9,2„Und siehe, sie brachten einen Gelähmten zu ihm … Als Jesus ihren Glauben sah, sprach er …“
  • Lukas 5,20„Und als er ihren Glauben sah, sprach er: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben.“

Auslegung

1. „Ihren“ Glauben – nicht nur der des Gelähmten

Jesus sieht den Glauben der Freunde, die den Gelähmten durch das Dach zu ihm bringen. Glaube wird hier sichtbar durch:

  • Handeln
  • Opferbereitschaft
  • Vertrauen
  • Beharrlichkeit

Glaube ist nicht nur innerlich – er handelt.

2. Glaube führt zu Vergebung

Bevor Jesus den Gelähmten körperlich heilt, spricht er:

„Deine Sünden sind dir vergeben.“

Damit zeigt Jesus:

  • Die geistliche Heilung ist wichtiger als die körperliche.
  • Glaube öffnet den Weg zur Vergebung.
  • Jesus hat göttliche Autorität, Sünden zu vergeben.

3. Glaube anderer kann Menschen zu Jesus bringen

Der Gelähmte konnte nicht selbst zu Jesus kommen. Andere trugen ihn.

Das ist ein starkes Bild für Gemeinde:

  • Wir tragen einander im Glauben.
  • Wir bringen Menschen zu Jesus, die selbst nicht gehen können.
  • Jesus sieht den gemeinschaftlichen Glauben.

4. Glaube wird sichtbar durch mutiges Handeln

Die Freunde:

  • ignorieren Hindernisse
  • öffnen ein Dach
  • riskieren Ärger
  • handeln kreativ

Glaube ist mutig, kreativ, praktisch.

Tabelle

ThemaInhaltBedeutung
BibelstelleMk 2,5; Mt 9,2; Lk 5,20Jesus sieht den Glauben der Freunde
Sichtbarer GlaubeHandeln, Tragen, Öffnen des DachesGlaube zeigt sich in Taten
Vergebung zuerst„Deine Sünden sind dir vergeben“Geistliche Heilung ist zentral
Gemeinschaftlicher Glaube„Ihren Glauben“Andere tragen uns zu Jesus
Jesu AutoritätVergebung + HeilungJesus ist Gott, der vergibt

Fazit

Jesus sieht Glauben. Nicht Worte, sondern Taten. Nicht Perfektion, sondern Vertrauen. Nicht Einzelkämpfer, sondern Gemeinschaft. Und wo Jesus Glauben sieht, da geschieht Vergebung und neues Leben.

Botschafter des Heils in Christo 1890

Unter den vielen Heilungen, welche der Heiland in den Tagen Seines Fleisches bewirkte, ist diejenige des Gichtbrüchigen wohl eine der lieblichsten. Sie zeigt uns Ihn als den Jehova Gott, der in Gnade inmitten Seines Volkes weilte, um „ihre Ungerechtigkeit zu vergeben und ihre Krankheiten zu heilen“. (Ps. 103, 3.)

Er war in Kapernaum, „Seiner eignen Stadt“, wie sie hier genannt wird; denn nirgendwo hatte Er so viel gelehrt, nirgendwo
so viele Wunderwerke gethan. Er war in ein Haus eingekehrt, und sobald dies ruchtbar wurde, versammelten sich viele, so daß selbst an der Thüre kein Raum mehr war.(Mark. 2, 1. 2.) Und Jesus „redete zu ihnen das Wort“, Er verkündigte ihnen das Evangelium des Reiches.

Die Kunde von der Ankunft Jesu drang auch in das stille Gemach eines armen Kranken, eines an allen Gliedern gelähmten Mannes. Ach, wenn doch auch er diesen Jesus einmal sehen und Seine freundliche Stimme vernehmen könnte! Sicher würde Er auch ihm, wie so vielen anderen, helfen und ihn nach Leib und Seele gesund machen. Aber wie zu Ihm kommen? Er kann sich ja
nicht von der Stelle rühren.

Doch da sind vier Freunde, Nachbarn vielleicht von dem unglücklichen Manne. Auch sie haben von Jesu gehört und glauben, daß Er helfen kann; ja, sie wissen, daß Er nicht nur helfen kann, sondern auch gern helfen will. Ohne sich lange zu besinnen, heben sie das Bett mit dem Kranken auf ihre Schultern, und fort geht’s durch die belebten Straßen der Stadt — hin zu Jesu! Je näher sie dem Hause kommen, desto dichter wird die Volksmenge. Endlich befinden sie sich unweit der Thür, aber nun hört jedes weitere Vordringen auf. Was thun? Wieder umkehren und eine günstigere Gelegenheit abwarten? Nein, um keinen Preis; Jesus ist da, und darum muß der Kranke zu Ihm, koste es, was es wolle.

Wer weiß, wann der Heiland wiederkehrt, ob Er jemals wieder Kapernaum besucht?
Doch wie sollen sie es anfangen, den Gichtbrüchigen zu Jesu zu bringen? Der Glaube ist erfinderisch, wie die Liebe; er sucht und findet Auswege, an welche kein Mensch denkt. Können die vier Freunde den Kranken nicht auf dem gewöhnlichen Wege durch die Thür ins Haus tragen, so können sie doch auf das flache Dach des Hauses steigen, das Bett mit Stricken hinaufziehen und
dann wieder durch das Dach in das Innere des Hauses hinablassen.

Doch was werden die Menschen sagen?
Was wird der Eigentümer des Hauses denken?

Ah! der Glaube kümmert sich nicht um die Gedanken der Menschen; er kennt keine Schwierigkeiten. Er ruht nicht eher, bis er seinen Zweck erreicht hat. „Und da sie nicht nahe zu Ihm kommen konnten wegen der Volksmenge, deckten sie
das Dach ab, wo Er war; und als sie es aufgebrochen hatten, ließen sie das Ruhebett hinab, auf welchem der
Gichtbrüchige lag.“

Welch ein Anblick für die im Hause Versammelten! Plötzlich ist es lebendig geworden über ihren Häuptern; starke Hände reißen rücksichtslos das Dach auf; allmählich vergrößert sich die Oeffnung, und endlich sinkt langsam das Bett mit dem kranken, gichtbrüchigen Manne hernieder, tiefer und immer tiefer, bis es zu den Füßen Jesu steht. Glaubst du, mein Leser, daß der Kranke jetzt weit genug gekommen ist? Da liegt er, hilflos, ohnmächtig, ein Bild des Jammers, aber — zu den Füßen Jesu! Er
blickt auf zu dem Antlitz des Heilandes, fragend und zagend, und was liest er in den Zügen des Herrn?

Verwunderung, Mißbilligung des Geschehenen oder gar kalte Abweisung? Hast du schon jemals gehört, mein lieber Leser, daß ein Hilfesuchender vergeblich zu Jesu gekommen wäre, oder daß ein verlorner, ohnmächtiger Sünder umsonst zu Ihm, dem Heilande der Sünder, aufgeschaut hätte? Nein, und tausendmal nein! Was lesen wir? „Und als Jesus ihren Glauben sah, sprach Er zu dem Gichtbrüchigen: Sei gutes Mutes, Kind; deine Sünden sind dir vergeben!“

Wunderbare Worte! Nie hatte ein Mensch so geredet wie dieser Mensch. Niemals war aber auch ein solcher Mensch auf der Erde gewesen: Sohn des Menschen und Sohn Gottes in ein und derselben Person! „Sei gutes Mutes, Kind !“ Liebliche Musik in den Ohren des armen, kranken und von schwerer Sündenlast niedergedrückten Mannes! Er sagt nichts; er hört nur. Was sollte
er auch sagen? Der Herr sah ihren Glauben, und der Herr las in seinem Herzen. War das nicht genug?

Entsteht in dem Herzen eines Sünders ein wahres Gefühl über seinen Zustand, wacht sein Gewissen auf und kommt
er wirklich in Not über seine vielen Sünden, dann wird die Antwort des Herrn nicht lange auf sich warten lassen.
Es bedarf dann nicht vieler Worte. Das Herz ist zerknirscht, der einst so stolze Sinn ist gebeugt, und das
Auge blickt, um Hilfe und Erbarmen flehend, nach oben.

Das Gebet des Zöllners im Tempel war nur sehr kurz: „O Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig!“ und doch ging er gerechtfertigt in sein Haus hinab. Der Gichtbrüchige sagte gar nichts; aber bei beiden Männern waren Herz und Gewissen vor Gott in Thätigkeit; und Gott sieht das Herz an, während ein noch so geläufig vorgebrachtes Sündenbekenntnis ohne wahre Beugung des Herzens vor
Ihm völlig wertlos ist.

„Sei gutes Mutes, Kind; deine Sünden sind dir vergeben!“ Warum redet der Herr zunächst von den Sünden des Kranken und dann erst von seiner Krankheit?
Ach! Er stillt zuerst die größte Not, Er befriedigt das dringendste Bedürfnis. Er senkt Frieden und selige Ruhe
ins Herz, und dann giebt Er die leibliche Hülfe noch dazu. Welch ein Heiland ist Er! Er antwortet dem
Glauben, und zwar in überströmender Fülle. Er giebt über Bitten und Verstehen, Er thut weit über das Maß hinaus.

Doch beachten wir wohl, daß es nicht heißt: als Jesus seinen Glauben sah, sondern: als Jesus ihren Glauben sah. Ohne Zweifel war persönlicher Glaube in dem Herzen des Kranken vorhanden, und derselbe giebt sich darin kund, daß er auf das Wort des Herrn hin
alsbald aufstand, sein Bett aufhob und Gott lobend und preisend nach Hause ging. Aber es war auch Glaube in den vier Freunden des Gichtbrüchigen, und zwar ein  starker, alle Hindernisse überwindender Glaube; und es ist bemerkenswert und zugleich sehr ermunternd, zu sehen, daß der Herr ihrem Glauben antwortete.

Man hört oft sagen: Wir können doch niemanden bekehren; das ist doch allein Gottes Sache und Gottes Werk. Gewiß, wir
können niemanden bekehren, und Gott sei Dank, daß wir es nicht können! Wir würden eine solche Macht nur zu unserm Schaden gebrauchen. Aber die vier Männer konnten auch den Gichtbrüchigen nicht heilen, noch ihm seine Sünden vergeben. Was aber konnten sie thun?

Sie konnten den Kranken zu Jesu bringen. Und das thaten sie, ohne sich durch irgend welche Hindernisse abschrecken zu lassen,
indem völligen Vertrauen, daß der Herr helfen und heilen Würde. Sie ruhten nicht eher, bis ihr Freund zu den Füßen Jesu lag. Da war ihr Werk beendet, und das Werk des Heilandes begann.

Geliebter christlicher Leser! Redet daS nicht zu unsern Herzen in lauter, vernehmlicher Sprache? Wir kennen Jesum besser, als jene vier Männer Ihn kennen konnten. Wir kennen Seine überströmende Liebe und haben Seine errettende Kraft an uns selbst erfahren. Wir kennen Ihn als den guten Hirten, der die verlornen Schäflein sucht, um sie auf Seiner starken Schulter Heimzutragen
ins Vaterhaus. Wir haben erfahren, daß Er mächtig ist zu erlösen und aus den Banden der Sünde und aus der
Knechtschaft des Fürsten der Finsternis zu befreien. Und nun, giebt es nicht Freunde, Verwandte und Bekannte genug
um uns her, die noch gefangen liegen in jenen schrecklichen Banden, die noch nicht die erlösende, befreiende Kraft des
NamenS Jesu an sich erfahren haben? Bemühen wir uns mit demselben Eifer, wie jene vier Männer, sie zu
Jesu zu führen? Wir können allerdings niemanden bekehren, wir können nicht einmal Bedürfnisse nach Errettung
in einem toten Sünderherzen erwecken.

Aber eines ist gewiß: wenn wir Eifer, Glauben und Liebe haben, so werden wir manches Mal Seelen finden, in welchen durch
die Gnade Gottes bereits ein Bedürfnis nach Errettung, ein Fragen nach dem ewigen Heil erwacht ist, und die gleichsam nur darauf warten, zu Jesu hingeführt zu werden: Lahme, Gichtbrüchige, Ohnmächtige, Blinde, die den Weg nicht wissen, aber sich gern führen lassen, wenn nur ein glaubensstarker Arm ihnen zu Hülfe kommt. Und wir dürfen auch überzeugt sein, daß selbst da, wo noch kein Gefühl vorhanden zu sein scheint, wo alles noch tot und dürre ist, unsre ausdauernden Bemühungen der Liebe oft
von Erfolg gekrönt werden würden.

O wenn wir nur mehr Glauben hätten, und unsre Herzen mehr dringen ließen durch die Liebe Christil Gewiß, wir würden selige, herrliche Erfahrungen machen. Woran liegt es, wenn es oft so lange Zeit an einem Orte ganz stille ist, wenn das Wehen und Wirken des Geistes kaum noch verspürt wird und man nie oder doch nur höchst selten von Bekehrungen hört? Liegt nicht in
den meisten Fällen die Schuld an den Gläubigen selbst, an ihrem Mangel an Glauben und Liebe, an Eifer und Interesse für die Seelen? Der Herr kann dem Glauben in dieser Beziehung nicht antworten, weil er nicht lebendig ist.

Man lebt mehr oder weniger gleichgültig dahin, erfreut sich dessen, was man selbst empfangen hat, und ist zufrieden, wenn es im persönlichen Wandel gerade nichts Besonderes zu richten und zu verurteilen gibt.
Aber ist das ein Zustand, welcher dem Herrn Jesu, dessen Herz von Liebe zu dem Verlorenen brennt, wohlgefällig
sein kann? Ist es genug, wenn ich mich des Abends mit dem Bewusstsein zur Ruhe legen kann: Heute ist in meinem Wandel nichts vorgekommen, wodurch der Herr verunehrt worden ist? Gibt es nichts Höheres für einen Christen, als vor der Sünde bewahrt und mit genauer Not auf dem schmalen Pfade erhalten zu bleiben?

Geliebte Brüder, laßt uns aufwachen! Der Geist dieser Zeit hat viele von uns eingeschläfert und uns alle mehr oder weniger angesteckt. Sorglosigkeit, Bequemlichkeit, Liebe zur Welt und ihren Dingen — das sind die schlimmen Fehler, an welchen Tausende von Gläubigen heute kranken. Verstecken wir uns nicht hinter der armseligen Entschuldigung, daß wir doch warten müssen, bis der Herr wirke. Der Herr ist wirksam wie nie zuvor; Er hat überall die Türen geöffnet, und Er wird antworten auf das Gebet des Glaubens und auf die Bemühung der Liebe.

Niemand denke, daß wir jenen betrübenden Bestrebungen das Wort reden wollten, welche durch menschliche Klugheit und künstliche Mittel große Erweckungen hervorzurufen suchen und in unsern Tagen immer wieder auftauchen. Wohl mögen auf diesem Wege zeitweilig große Erregungen der Gemüter entstehen, aber wahre, durch den Geist Gottes bewirkte Erweckungen sind eine ganz andere Sache. Wenn nicht Herz und Gewissen in die Gegenwart und in das Licht Gottes gebracht werden, so fehlt dem Dienste des Evangeliums die wahre Grundlage. Wohl mögen dann Hunderte und selbst Tausende bekennen, Frieden gefunden zu haben; aber die Zeit wird’s lehren, daß die meisten sich getäuscht haben oder durch andere unwissentlich getäuscht worden sind, so daß sich am Ende weit mehr Spreu als Weizen ergiebt.

Unser Herr und Meister ist in diesem wie in allem andern unser gesegnetes Vorbild und vollkommenes Muster. Er zog hin und her durch Stadt und Land und verkündigte einfach und schmucklos das Evangelium vom Reiche Gottes. Das Evangelium bedarf auch keines menschlichen Beiwerks, keiner phantasievollen Ausschmückung, keiner theatralischen Darstellung; es kann durch solche Beigaben nur geschwächt und verdorben werden. Je einfacher und schmuckloser ein Evangelist die frohe Botschaft verkündigt,
je ernster und ruhiger (obwohl zu gleicher Zeit mit aller Entschiedenheit und göttlichem Eifer) er seinen Dienst er­ füllt, desto tiefer und nachhaltiger werden Eindruck und Wirkung desselben sein. Ist dagegen der Dienst eines Evangelisten geräuschvoll und darauf berechnet, die natürlichen Gefühle der Zuhörer zu erregen, so können wir sicher sein, daß der Mensch im Vordergründe steht und
nicht Gott. Und wenn der Mensch auf den Schauplatz tritt, was anders kann dann das Ende sein als Verwirrung
und Beschämung?

Aber, wird man einwenden, werden denn nicht viele Seelen auf diese Weise erreicht, und finden nicht wirkliche, wahre Bekehrungen statt, die sich auch in der Folge bewähren? Allerdings; aber das beweist nichts für die Sache selbst, sondern zeigt nur die überströmende Gnade Gottes, der alles benutzen kann und benutzt, um die Endziele Seiner erbarmenden Liebe zu erreichen. Und sicher ist, daß viel mehr Seelen betrogen werden, und daß dem Werke des Herrn im allgemeinen durch jene Erscheinungen
weit mehr Abbruch als Förderung geschieht. Wenn wir daher auf eine vermehrte Thätigkeit im Dienste des Evangeliums dringen, so meinen wir nicht eine Thätigkeit wie die eben beschriebene. Davor wolle uns Gott bewahren!

Nein, lasst uns still und geräuschlos, nach dem Vorbilde unsers Heilandes und Seiner Apostel, unser Werk thun. Wir sind nicht alle berufen noch begabt, öffentlich als Evangelisten aufzutreten; aber wir können alle das Werk des Evangeliums fleißig auf betendem Herzen tragen; wo wir Gelegenheit haben, mit Einzelnen reden; Traktate verteilen; wenn ein Evangelist vorhanden ist, andere einladen, zu kommen und zu hören; wir können, mit einem Wort, Seelen zu Jesu führen, und Gott gebe uns Gnade, dies mit allem Eifer, in leben­digem Glauben und mit einem liebeerfüllten Herzen zu thun! Wahrlich, unsre Mühe wird nicht vergeblich sein im
Herrn. Wir werden einen reichen Segen für unsre eignen Herzen finden und ein Segen sein für andere.

Zum Schluß noch ein kurzes Wort an christliche Eltern. Hat Gott euch Kinder beschert, o so werdet nicht müde, sie in zuversichtlichem Glauben zu Jesu zu führen, sie mit Ihm und Seiner Liebe bekannt zu machen und sie mit einfältigem Vertrauen ans Vaterherz Gottes zu legen! Wachsen sie heran, ohne bekehrt zu werden, so verdoppelt euer Flehen zu Gott, daß Er sich doch über sie erbarmen und der Macht des Feindes, die gerade in den Kindern gläubiger Eltern sich oft in wahrhaft erschreckender Weise wirksam erweist, entreißen möge. Laßt euer Flehen heiß und dringend werden, und geht vor allem euern Kindern
mit dem Beispiel treuer Entschiedenheit für Christum und Seine Sache voran. Gott wird zu Seiner Zeit sicher und gewiß das Gebet des Glaubens erhören. Er will ja nicht den Tod des Sünders; sollte Er den Tod der Kinder der Seinigen wollen?

Nichts ist betrübender und zugleich unbegreiflicher, als wenn Eltern betreffs des ewigen Heils ihrer Kinder gleichgültig sind, und sie in die Welt gehen sehen können, ohne mit tiefem Schmerz erfüllt zu sein und ohne sich immer wieder in aufrichtiger Demütigung und mit ernstem Flehen zu Gott zu wenden. Gott gebe uns allen, die wir Kinder haben, ein wahres, heiliges Interesse für das Wohl ihrer unsterblichen Seele! Wie unendlich viel höher steht ihr ewiges Heil als ihr Fortkommen in dieser Welt!
Und doch scheint das letztere vielen Eltern wichtiger zu sein als das erstere.

Sicher sind wir verantwortlich, unsern Kindern eine Erziehung zu geben, die sie in den Stand setzt, ihr Brot hienieden zu verdienen; wir haben die Pflicht, so viel an uns ist, für ihr leibliches Gedeihen zu sorgen und sie für einen irdischen Beruf heranzubilden. Aber laßt uns das Wichtigere nicht über dem Unwichtigeren vergessen, sondern die Sorge um ihr ewiges Wohl allem andern voranstellen!