Psalm 35 – Der Schrei des Unschuldigen und der Kampf des HERRN
ChristUndBuch – Auslegung, Struktur, Anwendungen
1. Einleitung
Psalm 35 ist ein Klage‑ und Bittpsalm, in dem David von ungerechter Verfolgung spricht. Er wird angegriffen, obwohl er Gutes getan hat. Er wird verleumdet, obwohl er für seine Feinde gebetet hat.
Der Psalm zeigt:
- den Schmerz des Unschuldigen
- die Ungerechtigkeit der Feinde
- den Kampf Gottes für die Seinen
- die Hoffnung auf Gottes Eingreifen
- den Übergang von Klage zu Lob
Spurgeon: „Psalm 35 ist der Schrei eines Mannes, der nichts als Gott hat – und dem Gott genügt.“ Calvin: „David zeigt, dass Gott der Anwalt der Unschuldigen ist.“
2. Struktur des Psalms
- V. 1–10 – Gott soll kämpfen
- V. 11–18 – Die Ungerechtigkeit der Feinde
- V. 19–28 – Bitte um Recht und Rettung
3. Vers‑für‑Vers‑Auslegung
V. 1–3 – HERR, kämpfe für mich
David bittet Gott:
- „Führe meinen Rechtsstreit“
- „Kämpfe gegen die, die mich bekämpfen“
- „Ergreife Schild und Waffen“
- „Sprich: Ich bin deine Rettung“
Wiersbe: „David ruft nicht nach Rache, sondern nach Gottes Gerechtigkeit.“
V. 4–8 – Die Feinde sollen zu Fall kommen
David beschreibt seine Gegner:
- sie stellen Fallen
- sie planen heimlich
- sie verfolgen ohne Grund
- sie wünschen seinen Untergang
Er bittet Gott, ihre Pläne zu vereiteln.
Calvin: „David überlässt das Gericht Gott – nicht seiner eigenen Hand.“
V. 9–10 – Freude über Gottes Rettung
David sieht im Glauben schon den Sieg:
„Meine Seele wird sich freuen über den HERRN.“
Er bekennt: Gott rettet die Schwachen vor den Starken.
V. 11–14 – Falsche Zeugen und Verrat
David beschreibt seine tiefste Verletzung:
- falsche Zeugen stehen auf
- sie vergelten Gutes mit Bösem
- sie freuen sich über sein Leid
- er aber hatte für sie gefastet und gebetet
Spurgeon: „Nichts schmerzt mehr als Verrat durch die, denen man Gutes tat.“
V. 15–18 – Schadenfreude der Feinde
Die Feinde:
- verspotten
- verhöhnen
- versammeln sich gegen ihn
- freuen sich über sein Fallen
David bittet Gott, ihn zu retten, damit er Gott öffentlich loben kann.
V. 19–22 – HERR, schweige nicht
David ruft:
- „Lass meine Feinde sich nicht freuen“
- „Lass sie nicht triumphieren“
- „Du hast es gesehen – schweige nicht“
- „Wach auf und hilf mir“
Kidner: „Der Schmerz Davids ist nicht nur menschlich – er ist geistlich.“
V. 23–26 – Bitte um Gerechtigkeit
David bittet Gott:
- zu richten
- zu verteidigen
- die Feinde zu beschämen
- die Gerechten zu ehren
V. 27–28 – Lobpreis als Ziel
Der Psalm endet mit einem doppelten Ruf:
- Die Gerechten sollen jubeln
- David will Gott täglich preisen
Calvin: „Der Psalm endet dort, wo jeder Kampf des Glaubens enden soll – im Lob Gottes.“
4. Theologische Linien
- Gott kämpft für die Unschuldigen.
- Der Gläubige darf seine Not ehrlich aussprechen.
- Falsche Zeugen und Verrat gehören zur Erfahrung der Gerechten.
- Gott sieht alles – auch das Verborgene.
- Der Kampf gehört Gott, nicht uns.
- Der Psalm verbindet Klage, Vertrauen und Lob.
- Der Psalm ist prophetisch – er weist auf Christus hin.
5. Christus im Psalm 35
Psalm 35 erfüllt sich vollkommen in Jesus Christus:
- Er wurde von falschen Zeugen angeklagt (Mt 26,59).
- Er wurde verfolgt ohne Grund (Joh 15,25).
- Er wurde verhöhnt und verspottet (Mt 27,29).
- Er tat Gutes – und man vergalt ihm Böses (Apg 10,38).
- Er überließ das Gericht dem Vater (1 Petr 2,23).
- Er ist der Gerechte, den Gott rechtfertigte durch die Auferstehung.
Spurgeon: „In Psalm 35 hören wir das Echo des leidenden Christus.“
6. Praktische Anwendungen
- Bring deine Not ehrlich vor Gott.
- Überlasse Gott deinen Rechtsstreit.
- Erwarte nicht, dass Menschen deine Güte erwidern.
- Vertraue: Gott sieht falsche Zeugen und ungerechte Angriffe.
- Lass Gott für dich kämpfen – nicht deine Emotionen.
- Halte fest: Gott wird dich rechtfertigen.
- Lobe Gott schon jetzt für den kommenden Sieg.
7. Tabelle
| Abschnitt | Inhalt | Bibellehrer | NT‑Bezug | Anwendung |
|---|---|---|---|---|
| V. 1–10 | Gott kämpft | Wiersbe, Calvin | Röm 12 | Gott vertrauen |
| V. 11–18 | Falsche Zeugen | Spurgeon | Mt 26 | Leid verstehen |
| V. 19–26 | Gottes Gerechtigkeit | Kidner | 1 Petr 2 | Gott überlassen |
| V. 27–28 | Lobpreis | Calvin | Hebr 13 | Gott ehren |
8. Leitvers
„HERR, führe meinen Rechtsstreit.“

