Psalm 120 – „Ich rief zum HERRN in meiner Not“
1. Einleitung – Geschichte & Kontext
Psalm 120 ist das erste Wallfahrtslied. Er beschreibt nicht die Ankunft in Jerusalem, sondern den Ausgangspunkt der Reise: Ein Ort voller Lüge, Streit, Feindschaft und Unfrieden.
Der Beter lebt „in Mesech“ und „bei den Zelten Kedars“ – symbolische Orte für:
- geistliche Fremde,
- feindliche Umgebung,
- raue, kriegerische Menschen.
Der Psalm beginnt mit einem Schrei – und endet mit einem Seufzer.
Spurgeon (3–4 Sätze): „Psalm 120 ist der erste Schritt der Pilgerreise. Er beginnt nicht auf dem heiligen Berg, sondern im Tal der Lüge. Der Pilger sehnt sich nach Frieden, doch ist umgeben von Kriegslustigen. Dieser Psalm ist für alle, die in einer feindseligen Welt nach Gottes Frieden hungern.“
2. Struktur des Psalms
- V. 1–2 – Schrei zu Gott wegen Lüge und Verleumdung
- V. 3–4 – Gottes Gericht über die Lügner
- V. 5–7 – Klage über eine feindselige Umgebung
3. Vers‑für‑Vers‑Auslegung
V. 1 – Ich rief zum HERRN in meiner Not
Der Psalm beginnt mit Gebet – nicht mit Analyse. Der Pilger schreit, und Gott antwortet.
V. 2 – Errette mich von Lügenlippen
Die größte Not ist nicht Hunger oder Krankheit, sondern Verleumdung. Worte können töten.
V. 3 – Was soll dir gegeben werden, du falsche Zunge?
Eine rhetorische Frage: Was verdient ein Lügner?
V. 4 – Scharfe Pfeile des Starken
Gottes Gericht trifft die Lüge wie Pfeile, die durchdringen.
V. 5 – Weh mir, dass ich in Mesech weile
Mesech = ferne, barbarische Völker Kedar = kriegerische Wüstenstämme Der Beter fühlt sich geistlich heimatlos.
V. 6 – Lange genug wohnte ich bei denen, die den Frieden hassen
Ein Schrei der Erschöpfung.
V. 7 – Ich bin für Frieden – doch wenn ich rede, sind sie für Krieg
Der Pilger ist friedfertig – aber seine Umgebung liebt Streit. Ein Spiegel unserer Zeit.
4. Theologische Linien
- Gottes Volk lebt oft in einer feindseligen Welt.
- Lüge ist eine der zerstörerischsten Waffen.
- Gott hört den Schrei der Verleumdeten.
- Gottes Gericht trifft die Lüge.
- Der Pilgerweg beginnt mit Sehnsucht nach Frieden.
- Der Psalm verbindet Klage, Sehnsucht, Gericht und Hoffnung.
5. Christus im Psalm 120
Psalm 120 erfüllt sich vollkommen in Jesus Christus:
- Er wurde von Lügenlippen angeklagt (Mt 26,59).
- Er lebte als Fremdling unter feindseligen Menschen (Joh 1,11).
- Er ist der Friedefürst (Jes 9,6).
- Er antwortete auf Hass mit Liebe (Lk 23,34).
- Er ist der Weg aus Mesech und Kedar – der Weg zum Vater (Joh 14,6).
- Er ist der, der die Lüge richtet (Offb 19,11–15).
Spurgeon: „Christus ist der Pilger, der den Weg des Friedens ging – mitten durch eine Welt des Hasses.“
6. Praktische Anwendungen
- Rufe Gott an, wenn Worte dich verletzen. Ps 120,1–2; Ps 34,18; 1 Petr 2,23
- Gott sieht die Lüge – und richtet sie. Ps 120,3–4; Spr 19,5; Offb 21,8
- Du bist ein Pilger – erwarte nicht, dass die Welt dich versteht. Ps 120,5; Hebr 11,13; Joh 15,19
- Sei ein Mensch des Friedens in einer Welt des Streits. Ps 120,6–7; Mt 5,9; Röm 12,18
- Christus ist dein Friede – halte dich an ihn. Ps 120; Eph 2,14; Joh 14,27
7. Tabelle
| Abschnitt | Inhalt | NT‑Bezug | Anwendung |
|---|---|---|---|
| V. 1–2 | Schrei wegen Lüge | 1 Petr 2 | Gebet |
| V. 3–4 | Gericht über Lüge | Offb 19 | Vertrauen |
| V. 5–7 | Leben in Feindseligkeit | Joh 15 | Frieden |
8. Leitvers
„Ich bin für Frieden; doch wenn ich rede, sind sie für Krieg.“ (Ps 120,7)

