Hohelied 7 – Die Schönheit der Braut und ihre Zuneigung zu dem Geliebten

Hohelied 7 – Die Schönheit der Braut und ihre Zuneigung zu dem Geliebten

Einleitung

Hohelied 7 ist das Kapitel der reifen Liebe. Die Braut wird vom Bräutigam in einer majestätischen, poetischen Beschreibung gewürdigt – diesmal von unten nach oben, was die Wertschätzung ihres ganzen Wesens ausdrückt. Die Sprache ist sinnlich, aber nie vulgär; sie zeigt die Würde der Liebe, die Gott geschaffen hat.

Das Kapitel endet mit der aktiven Einladung der Braut: Reife Liebe ist nicht nur empfangend, sondern gebend, suchend, gestaltend.

Hintergrund

  • Ort: Felder, Weinberge, Naturbilder.
  • Thema: Reife Liebe, Schönheit, gegenseitige Hingabe, Fruchtbarkeit.
  • Symbolik:
    • Tanz = Freude, Harmonie
    • Wein = Liebe, Genuss, Tiefe
    • Palmen = Stärke, Schönheit
    • Felder/Weinberge = Fruchtbarkeit, gemeinsamer Weg

Versweise Auslegung

7,1 – „Kehre um, kehre um, Sulamith…“

Die Szene beginnt mit einem Tanz der Braut. „Sulamith“ = weibliche Form von „Salomo“ → Einheit, Harmonie, Gleichwertigkeit. Die Zuschauer wollen sie sehen – ihre Schönheit ist öffentlich sichtbar.

Geistlich: Die Gemeinde ist sichtbar in der Welt (Mt 5,14).

7,2 – „Wie schön sind deine Schritte…“

Der Bräutigam beginnt seine Beschreibung von den Füßen aufwärts. Schritte = Weg, Lebensführung, Charakter. Die Braut ist schön in ihrem Wandel.

NT‑Linie: „Wandelt würdig des Evangeliums“ (Phil 1,27).

7,3 – „Deine Hüften wie ein Rundbecken…“

Bild für Harmonie, Rundung, Schönheit. Die Sprache ist poetisch, nicht anatomisch.

7,4 – „Dein Bauch wie ein Weizenhaufen…“

Weizen = Fruchtbarkeit, Versorgung, Segen. Die Braut ist Quelle des Lebens und der Fülle.

AT‑Linie: Weizen als Segen Gottes (Ps 147,14).

7,5 – „Deine Brüste wie zwei Hirschkälber…“

Zärtliches Bild für Nähe und Schönheit. Liebe ist würdevoll und zart.

7,6 – „Dein Hals wie ein Elfenbeinturm…“

Elfenbein = Reinheit, Wert, Würde. Der Hals steht für Haltung, Stärke, Selbstbewusstsein.

7,7 – „Deine Augen wie die Teiche von Heschbon…“

Tiefe, Klarheit, Ruhe. Die Braut hat einen Blick, der Frieden ausstrahlt.

7,8 – „Deine Nase wie der Turm des Libanon…“

Symbol für Stärke, Charakter, Ausrichtung. Der Turm schaut nach Damaskus – Weitblick, Perspektive.

7,9 – „Dein Haupt wie Karmel… dein Haar wie Purpur…“

Karmel = Schönheit, Fruchtbarkeit. Purpur = königlich. Die Braut ist königlich schön.

7,10 – „Wie eine Palme bist du…“

Die Palme ist ein Bild für:

  • Stärke
  • Aufrichtung
  • Schönheit
  • Fruchtbarkeit

Der Bräutigam sehnt sich nach Nähe – Liebe ist begehrend, aber würdevoll.

7,11 – „Ich will die Palme besteigen…“

Poetische Sprache für Nähe und Zuneigung. Liebe ist aktiv, nicht passiv.

7,12 – „Dein Gaumen wie bester Wein…“

Wein = Freude, Genuss, Tiefe. Liebe ist süß, wohltuend, erfüllend.

7,13 – „Ich gehöre meinem Geliebten…“

Die Braut bekennt ihre Zugehörigkeit. Reife Liebe ist sicher, frei, geborgen.

7,14 – „Komm, mein Geliebter… lass uns aufs Feld gehen.“

Die Braut lädt aktiv ein. Liebe ist nicht nur empfangend, sondern gestaltend. Sie will mit ihm gehen, arbeiten, leben.

Geistlich: Der Gläubige lädt Christus ein, den Alltag zu gestalten.

7,15 – „Wir wollen früh aufstehen…“

Reife Liebe ist fleißig, wach, aktiv. Sie sucht Fruchtbarkeit und Wachstum.

7,16 – „Die Mandragoren duften…“

Mandragoren = Pflanzen, die im AT mit Liebe und Fruchtbarkeit verbunden sind (1Mo 30,14–16). Die Braut bietet dem Bräutigam „neue und alte Früchte“ – Liebe ist reich, vielfältig, kreativ.

AT‑Bezüge

  • Psalm 45 – Schönheit der Braut.
  • Genesis 30 – Mandragoren und Liebe.
  • Jesaja 62 – Freude des Bräutigams über die Braut.
  • Psalm 147 – Weizen als Segen.

NT‑Bezüge

  • Philipper 1,27 – Würdiger Wandel.
  • Johannes 15 – Fruchtbarkeit in Christus.
  • Offb 19 – Hochzeit des Lammes.
  • Mt 5,14 – Sichtbarkeit der Gemeinde.

Anwendung

ThemaBedeutung für heute
Reife LiebeLiebe wächst und vertieft sich durch gemeinsame Wege.
WertschätzungDer Bräutigam würdigt die Braut ganzheitlich – Vorbild für Beziehungen.
FruchtbarkeitGeistliches Leben bringt neue und alte Früchte hervor.
Aktive HingabeDie Braut lädt ein – Liebe ist gestaltend.
WürdeDie Braut ist königlich, stark, schön – ein Bild für die Gemeinde.
Gemeinsamer WegLiebe wird im Alltag gelebt, nicht nur im Fest.
SichtbarkeitDie Gemeinde ist sichtbar wie die Sulamith im Tanz.

Fazit

Hohelied 7 zeigt die reife, gereifte Liebe zwischen Braut und Bräutigam. Der Bräutigam würdigt die Braut in einer majestätischen Beschreibung, und die Braut antwortet mit aktiver Hingabe. Die Liebe ist stark, fruchtbar, kreativ und würdevoll.

Das Kapitel zeigt: Reife Liebe ist gegenseitig, gestaltend und voller Frucht.