1. Mose 6 Die Flut Absicht des Herrn in der Gnade
1. Mose 6 im Licht des Neuen Testaments
Die Tiefe der Bosheit und die Größe der Gnade
Ein Kapitel über Gericht, Trauer Gottes und rettende Gnade**
- Mose 6 markiert einen dramatischen Wendepunkt in der Urgeschichte. Nach dem Fall (Kap. 3), dem ersten Mord (Kap. 4) und der Linie der Verheißung (Kap. 5) zeigt Kapitel 6, wie die Menschheit in eine Tiefe der Verderbnis abrutscht, die Gottes Gericht unausweichlich macht.
Doch mitten in dieser Finsternis leuchtet ein Satz auf, der das Evangelium vorwegnimmt:
„Noah aber fand Gnade in den Augen des HERRN.“ (1. Mose 6,8)
Dieses Kapitel ist ein Spiegel der Welt – und ein Fenster zur Gnade.
1. Die Eskalation der Sünde – Die Welt wird verdorben
Der Text beschreibt die Menschheit mit drei starken Begriffen:
- Bosheit (V. 5)
- Verderbtheit (V. 11)
- Gewalt (V. 11)
Die Sünde ist nicht mehr punktuell, sondern allumfassend:
„Alles Dichten und Trachten ihres Herzens war nur böse den ganzen Tag.“ (1. Mose 6,5)
Das ist die tiefste Diagnose der Bibel über den Menschen – und sie bleibt im NT bestehen:
- Römer 3,10–18 – „Da ist keiner, der Gutes tut.“
- Epheser 2,1–3 – Der Mensch ist „tot in Sünden“.
- Mose 6 zeigt: Sünde ist nicht nur Verhalten – sie ist ein Zustand.
2. Gottes Schmerz – Der Schöpfer trauert über seine Schöpfung
Einer der bewegendsten Sätze der Bibel steht in diesem Kapitel:
„Da reute es den HERRN… und es schmerzte ihn in seinem Herzen.“ (1. Mose 6,6)
Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Liebe.
Gott ist kein distanzierter Beobachter. Er ist ein Vater, der über die Zerstörung seiner Kinder trauert.
Das NT bestätigt diese göttliche Herzenshaltung:
- Epheser 4,30 – Der Heilige Geist kann „betrübt“ werden.
- Matthäus 23,37 – Jesus weint über Jerusalem.
- 2. Petrus 3,9 – Gott will nicht, dass jemand verloren geht.
Gottes Gericht kommt nicht aus Laune, sondern aus heiligem Schmerz.
3. Die „Söhne Gottes“ und die „Töchter der Menschen“ – Was geschieht hier?
- Mose 6,1–4 ist einer der umstrittensten Abschnitte der Bibel. Drei Hauptdeutungen sind historisch vertreten:
- Engelwesen (vgl. Hiob 1,6; 2,1)
- Herrscher / Tyrannen (königliche „Gottessöhne“)
- Gottesfürchtige Linie Sets vs. gottlose Linie Kains
Unabhängig von der Deutung ist die theologische Aussage klar:
- Die Grenzen, die Gott gesetzt hat, werden überschritten.
- Die Sünde greift in die tiefsten Bereiche des Menschseins ein.
- Die Welt wird moralisch und geistlich instabil.
Das NT nimmt diesen Abschnitt auf:
- 2. Petrus 2,4–5 – Gericht über gefallene Engel und die Welt Noahs.
- Judas 6–7 – Warnung vor Grenzüberschreitungen.
Der Punkt ist: Die Menschheit rebelliert gegen Gottes Ordnung – und die Folgen sind katastrophal.
4. Gottes Gericht – Die Flut als kosmische Reinigung
Gott kündigt ein universales Gericht an:
„Ich will den Menschen vertilgen…“ (1. Mose 6,7)
Die Flut ist:
- Gericht über die Sünde
- Reinigung der Schöpfung
- Neuanfang der Menschheit
Das NT interpretiert die Flut ausdrücklich:
- Matthäus 24,37–39 – Die Tage Noahs sind ein Bild für das Endgericht.
- 2. Petrus 3,5–7 – Die Flut ist ein Vorbild für das kommende Feuergericht.
- 1. Petrus 3,20–21 – Die Arche ist ein Bild für die Rettung in Christus.
Die Flut ist nicht Mythos, sondern Theologie in Wasserform.
5. Noah – Gnade, Glaube und Gehorsam
Mitten in der Finsternis steht ein Mann:
„Noah aber fand Gnade in den Augen des HERRN.“
Das ist die erste Erwähnung von Gnade in der Bibel.
Noah ist:
- Empfänger der Gnade (V. 8)
- Gerechter (V. 9)
- Untadelig (V. 9)
- Wandelte mit Gott (V. 9)
- Gehorsam (V. 22)
Das NT macht Noah zu einem Glaubensvorbild:
- Hebräer 11,7 – Noah wird durch Glauben gerecht.
- 2. Petrus 2,5 – Noah ist „Prediger der Gerechtigkeit“.
Noah ist ein Bild für Christus:
- Noah rettet seine Familie → Christus rettet die Seinen.
- Noah baut die Arche → Christus baut die Gemeinde.
- Noah überlebt das Gericht → Christus trägt das Gericht.
6. Die Arche – Ein Bild des Heils
Gott gibt Noah detaillierte Anweisungen für die Arche. Sie ist:
- Schutzraum vor dem Gericht
- Ort der Rettung
- Symbol des neuen Anfangs
Das NT deutet die Arche typologisch:
- 1. Petrus 3,20–21 – Die Arche ist ein Bild für die Rettung durch Christus.
- Hebräer 11,7 – Glaube führt in die Arche; Unglaube bleibt draußen.
Die Arche ist ein Evangelium aus Holz.
7. Zusammenfassung: Die Botschaft von 1. Mose 6
1. Die Welt ist tief gefallen.
Sünde ist total, umfassend und zerstörerisch.
2. Gott ist zutiefst betroffen.
Er richtet – aber mit gebrochenem Herzen.
3. Gnade ist möglich.
Noah findet Gnade – nicht wegen Leistung, sondern wegen Gottes Liebe.
4. Rettung ist real.
Die Arche ist ein Bild für Christus.
5. Gericht ist sicher.
Wie die Flut kommt auch das Endgericht.
6. Glaube ist der Weg.
Noah glaubt – und wird gerettet.
Schlussgedanke
- Mose 6 ist ein Kapitel, das die Welt erklärt – und das Evangelium vorbereitet. Es zeigt die Tiefe der menschlichen Finsternis und die Größe der göttlichen Gnade. Es zeigt, dass Gott richtet – aber auch rettet. Und es zeigt, dass Gnade immer einen Namen hat: Jesus Christus.
Zusammenfassungstabelle – 1. Mose 6 mit NT‑Bezügen
| Thema / Person | Kernaussage in 1. Mose 6 | Zentrale NT‑Bezüge | Theologische Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Zustand der Menschheit | Bosheit, Verderbtheit, Gewalt erfüllen die Erde (V. 5.11) | Römer 3,10–18; Eph 2,1–3 | Totaler moralischer Verfall; Sünde ist ein Zustand, nicht nur Handlung |
| „Alles Dichten und Trachten…“ | Das Herz des Menschen ist durchgehend böse (V. 5) | Jer 17,9; Markus 7,21–23; Römer 8,7 | Anthropologie der Bibel: Der Mensch braucht Erlösung |
| Gottes Schmerz | Gott ist tief betrübt über die Sünde (V. 6) | Eph 4,30; Matth 23,37; 2. Petr 3,9 | Gottes Gericht entspringt heiligem Schmerz, nicht Willkür |
| Gottes Gericht | Ankündigung der Flut (V. 7.13) | Matth 24,37–39; 2. Petr 3,5–7 | Die Flut ist Vorbild des Endgerichts |
| Söhne Gottes / Töchter der Menschen | Grenzüberschreitung, Vermischung, Chaos (V. 1–4) | 2. Petr 2,4–5; Judas 6–7 | Rebellion gegen Gottes Ordnung; geistliche und moralische Korruption |
| Noah | Findet Gnade; gerecht; untadelig; wandelt mit Gott (V. 8–9) | Hebr 11,7; 2. Petr 2,5 | Gnade → Glaube → Gehorsam; Noah als Vorbild des Glaubens |
| Gnade | Erste Erwähnung von „Gnade“ in der Bibel (V. 8) | Eph 2,8–9; Titus 2,11 | Rettung ist Gottes Initiative, nicht menschliche Leistung |
| Arche | Gottes Rettungsweg; detaillierte Anweisungen (V. 14–22) | 1. Petr 3,20–21; Hebr 11,7 | Arche als Bild für Christus und die Gemeinde |
| Gehorsam Noahs | „Noah tat alles, wie Gott ihm geboten hatte“ (V. 22) | Jak 2,17; Joh 14,15 | Echter Glaube zeigt sich im Gehorsam |
| Gewalt auf Erden | Gewalt ist Kennzeichen der gefallenen Welt (V. 11) | Matth 24,12; 2. Tim 3,1–5 | Endzeitliche Parallelen zu Noahs Tagen |
| Gottes Geduld | Gott kündigt Gericht an, aber mit Vorlaufzeit | 2. Petr 3,9; 1. Petr 3,20 | Gott gibt Raum zur Umkehr |

