Psalm 27 – Botschafter des Heils, 1908

Psalm 27 – Botschafter des Heils, 1908

Vollständiger Originaltext, nach Versen strukturiert

Vers 1 – Vertrauen und Ruhe in Gott

Eine Seele, welche so die Gemeinschaft des Herrn genießt und sich in Ihm erfreut, ist auch völlig ruhig im Blick auf die Umstände des Weges durch diese Welt. Sie ist ihrem Herrn so innig nahe, dass sie gar nicht auf die Umstände blickt, sondern in völligem Vertrauen auf Ihn schaut. Sie weiß und bekennt: „Er wird mich bergen in Seiner Hütte am Tage des Übels. Es gibt auf unserem Wege „Tage des Übels“, Tage, an welchen Satan in besonderer Weise seine Angriffe gegen uns richtet, Zeiten besonders schwerer Herzensübungen. Vielleicht haben wir durch Krankheiten und Leiden, durch mancherlei Schwierigkeiten zu gehen, vielleicht erfahren wir Enttäuschungen, Lieblosigkeit und Härte von Seiten unserer Brüder, vielleicht Kämpfe, Entbehrungen und Entmutigungen aller Art.

Doch alles das dient der gottesfürchtigen Seele nur zur Erziehung und Läuterung; sie ruht in der Liebe Gottes, welche sie kennt, und sagt getrost: „Er wird mich verbergen in dem Verborgenen Seines Zeltes“. Wer kann ihr da etwas anhaben? Da ist sie völlig geborgen, wie schwer der Sturm auch sein mag, der über sie dahinbraust. Sie vertraut still aus den Herrn und genießt Seine Liebe und Sein Mitgefühl; ja, sie wird »auf einen Felsen erhöht«. Der Herr erhebt sie über alle Schwierigkeiten, über Leiden und Schmerzen, und erfüllt sie mit hoher Freude. So war es bei David. Er genoss die Nähe Gottes und war so völlig überzeugt, dass Jehova ihn von allen seinen Feinden retten würde, dass er ausrief: „Opfer des Jubelschalls will ich opfern in Seinem Zelte, ich will singen und Psalmen singen Jehova“.

Vers 2–3 – Furchtlosigkeit trotz Feinden

Das Zelt Jehovas hatte einen besonderen Wert für das Herz Davids. Es heißt von ihm im 132. Psalm: ,,Welcher Jehova schwur, ein Gelübde tat dem Mächtigen Jakobs: Wenn ich hineingehe in das Zelt meines Hauses, wenn ich steige auf das Lager meines Bettes; wenn ich Schlaf gestatte meinen Augen, Schlummer meinen Augenlidern; bis ich eine Stätte finde für Jehova, Wohnungen für den Mächtigen Jakobs!“ Diese Stätte hatte er gefunden. War ihm der Wunsch seines Herzens, Jehova einen Tempel zu bauen, auch nicht gestattet worden, so erlaubte Gott ihm doch, Ihm ein Zelt zu errichten und die Bundeslade, das Zeichen der Gegenwart Jehovas, hineinzubringen. Welche Freude das für ihn war, zeigen uns die Worte: „Und David tanzte mit aller Kraft vor Jehova . . .

Und David und das ganze Haus Israel brachten die Lade Jehovas hinauf mit Jauchzen und mit Posaunenschall«. (2. Sam. 6, 14 u. 15.) Dahin ging David fortan, um Jehova anzubeten; hier setzte er sich vor Jehova nieder und brachte Ihm Lob und Dank dar. (2. Sam. 7, 18.) Es war seine Gewohnheit, das zu tun, und darum redet er in unserem Psalm auch immer wieder von dem Zelt Jehovas. Es war sein innigster Wunsch, da zu wohnen, um Jehova anzuschauen und nach Ihm zu forschen. In das Innere des Zeltes Jehovas, d. h. in die Gegenwart Gottes, eilt er am Tage des Übels. Hier fühlt er sich sicher und geborgen vor seinen Feinden. In dem Zelte Jehovas will er auch Opfer des Jubelschalls opfern und Jehova Psalmen singen.

Vers 4 – Der Wunsch, im Hause Gottes zu wohnen

Teurer Leser! Ist es für dich auch so wichtig und köstlich, in der Gegenwart Gottes zu verweilen? Die Gläubigen der Jetztzeit können dort noch weit mehr genießen, als David oder irgend ein anderer Gläubiger des Alten Testaments es vermochte. Der Geist Gottes ist aus dem Himmel herniedergekommen und hat uns alles mitgeteilt, was Gott an uns und- für uns getan hat in Seinem geliebten Sohne. Ja, Er hat uns einen Blick tun lassen in die Gedanken und Ratschlüsse, die vor Grundlegung der Welt uns betreffend in dem Herzen Gottes ·waren, und in die herrliche Zukunft, die vor uns liegt. Wenn wir darüber nachsinnen, so enthüllt sich ein unabsehbares Feld der reichsten Segnungen vor unseren staunenden Blicken, und bei der Betrachtung derselben wird die Liebe unseres Gottes und unseres Heilandes immer größer für uns. Die natürliche Folge ist, dass auch wir mit glücklichem und dankbarem Herzen unserem Gott Opfer des Jubelschalls darbringen, Ihm singen und Psalmen singen.

Vers 5–6 – Schutz und Freude im Heiligtum

Mit dem 7. Verse beginnt der zweite Teil unseres Psalms. Die Sachlage erscheint mit einem Schlage völlig verändert. Der Psalmist gibt nicht mehr seinem gläubigen Vertrauen aus Jehova Ausdruck, noch seinem Triumph über die Feinde; er ruft vielmehr aus der Bedrängnis zu Jehova. Der Inhalt der Verse 7 – 14 stellt uns, wie mir scheint, die Herzensübungen des Gläubigen vor, welche den Versen 1 – 6 vorausgegangen sind und das darin beschriebene herrliche Ergebnis herbeigeführt haben. Das ist in den Psalmen oft so. Der Psalmist stellt eine Wahrheit oder ein Ergebnis, zu dem er gelangt ist, voran und zeigt dann, wie er dazu gekommen ist.

Vers 7 – Der Schrei aus der Bedrängnis

Der Gläubige ist hier in großer Bedrängnis. Er beruft sich vor Gott nicht, wie in manchen anderen Psalmen, aus seine Lauterkeit, weil er das Bewusstsein hat, dass Gott Ursache habe zu zürnen. Er wendet sich an die Gnade und das Erbarmen „Jehovas und erinnert Ihn an Seine eigene Aufforderung: „Suchet mein Angesicht!« Konnte Gott jetzt, wo Sein Knecht in Bedrängnis war, Sein Angesicht vor ihm verbergen und ihn abweisen? Unmöglich. Gott will die Zuflucht des Gläubigen sein zu aller Zeit. „Rufe mich an am Tage der Bedrängnis: ich will dich erretten, und du wirst mich verherrlichen“ (Ps. 50, 15.) Was könnte Ihm mehr Freude machen und Ihn mehr verherrlichen, als der innige Dank einer Seele, die Er gerettet hat?

Vers 8 – „Suchet mein Angesicht!“

David hatte, wie gesagt, das Bewusstsein, dass Gott mit Recht zürne; er sagt: ,,Verbirg dein Angesicht nicht vor mir, weise nicht ab im Zorne deinen Knecht!“ Und doch vertraut er zugleich völlig auf die Gnade. Er hatte erfahren, was Gott für ihn war, und konnte im Blick auf die Vergangenheit sagen: „Du bist meine Hilfe gewesen“. Das Bewusstsein der Gnade Gottes gab ihm ein starkes Vertrauen, stärker als die engsten Familienbeziehungen es ihm einzuflößen vermochten: „Hätten mein Vater und meine Mutter mich verlassen, so nähme doch Jehova mich auf“.

Vers 9 – Bitte um Gnade trotz Schuld

Das ist sehr beachtenswert. Als Kinder Gottes werden wir nie sagen: „Weise nicht ab im Zorne deinen Knecht“, weil wir Gott in Christo Jesu als die Liebe kennen gelernt haben und wissen, dass Sein Zorn über die Sünde von uns abgewandt ist. Freilich wird mein Herz keine Freimütigkeit zu Gott haben, wenn etwas da ist, wodurch ich Ihn betrübt und verunehrt habe; und diese Freimütigkeit wird nicht eher zurückkehren, als bis ich mich mit aufrichtigem Bekenntnis vor Gott gebeugt und verurteilt habe. Aber an der Gnade und Liebe Gottes sollte ich niemals zweifeln, auch dann nicht, wenn ich fühle, dass Gott Ursache hat zu zürnen.

Tiefe Gefühle der Trauer und des Schmerzes, ja, der Zerknirschung, sollten mein Herz erfüllen, weil ich den Gott, der mich so unendlich liebt, betrübt habe, aber zugleich auch das Vertrauen, dass Gottes Liebe sich mir gegenüber nie ändern kann, selbst dann nicht, wenn Er genötigt ist mich zu züchtigen. Es ist offenbar, dass ich in solchen Stunden Seine Liebe nicht genießen kann wie zu anderen Zeiten, aber ich darf festhalten, dass sie mir auch dann in derselben Fülle zugewandt ist wie damals, als Jesus für mich am Kreuze starb. Dieses Bewusstsein gibt dem gedemütigten und lauteren Herzen völliges Vertrauen.

Vers 10 – Gott nimmt den Verlassenen auf

Ich wiederhole denn: Es ist sehr schön und beachtenswert, dass der Heilige Geist dieses Bewusstsein von der Gnade Gottes schon in David hervorgebracht hat, obwohl er noch unter Gesetz, stand und die Offenbarung Gottes in Christo nicht kannte. Es konnte so sein, weil Davids Herz lauter und aufrichtig war vor Gott, und weil er in den Wegen Gottes zu wandeln begehrte. „Lehre mich, Jehova, deinen Weg“, so fleht er. Das ist fürwahr eine schöne, Gott wohlgefällige Bitte. Sie drückt einerseits die völlige Abhängigkeit des Betenden aus, das Bewusstsein, dass er nicht imstande ist, den Weg allein zu finden, und andererseits sein Begehren, nicht eigene Wege, sondern den Weg Gottes zu gehen.

Dies sollte auch bei uns die tägliche ernste Bitte sein. Aber ach! wie oft wird sie versäumt, und die Folge davon ist, dass man eigene Wege einschlägt, wodurch man der kostbaren Gemeinschaft mit Gott beraubt wird und Ihm Unehre bereitet! Wie manches Kind Gottes hat sich Züchtigung und bitteres Leid zugezogen, weil es nicht in dieser Abhängigkeit geblieben ist! Gott wurde dadurch gezwungen, es durch ernste Mittel von den eigenen Wegen herum zu holen. Wie manche haben bezüglich der ehelichen Verbindung oder in geschäftlicher Hinsicht Wege eingeschlagen, vor denen sie, wenn nur ein wenig Gottesfurcht in ihrem Innern gewesen wäre, sicherlich bewahrt geblieben wären; denn sie hätten erkannt, dass es nicht die Wege Gottes waren. Viele müssen ihr Leben lang unter den Folgen solch eigener Wege leiden, während sie unter der Leitung Gottes Seinen Weg mit glücklichem Herzen hätten gehen können.

Vers 11 – Bitte um Leitung auf Gottes Weg

Mein lieber, gläubiger Leser! Bist auch du von diesem Wege abgekommen und auf eigene Wege geraten? O dann demütige dich vor Gott! Kehre um, wenn es noch möglich ist, und lass es von neuem dein ernstes Flehen sein: Lehre mich, o Gott, deinen Weg!

Das ist auch nötig bezüglich des Weges, den wir in diesen letzten Tagen inmitten der großen Verwirrung auf religiösem Gebiet zu gehen haben. Die Gefahr ist groß, in dieser Hinsicht entweder menschlichen Meinungen zu folgen und den Weg breiter zu machen, oder sich in parteiischer Weise abzusondern. Der Gott wohlgefällige Pfad ist schmal, und wir können ihn nur finden, wenn wir Gottes Wort erforschen und uns Seinem Gebot einfältig unterwerfen; wenn wir, wie David, von Herzen flehen: „Lehre mich, o Gott, deinen Weg!“

„Leite mich auf ebenem Pfade um meiner Feinde willen“, bittet David weiter. Auch das ist wichtig. Der Weg durch diese Welt bringt für den Gläubigen allerlei Gefahren und Versuchungen mit sich; da liegen Steine, über die er straucheln und fallen kann, und gerade die kleinen, die man wenig beachtet, sind oft die gefährlichsten. Es ist daher nötig, auf der Hut zu sein und auch aufeinander acht zu haben, um das zu beseitigen, was unserem Bruder oder unserer Schwester gefährlich werden könnte. Der Apostel ruft den Hebräern zu: ,,Machet gerade Bahn für eure Füße! Auf dass nicht das Lahme vom Wege abgewandt, sondern vielmehr geheilt werde«.

Doch der Herr allein sieht und kennt alle Gefahren. Er vermag den Weg zu ebnen und alles hinweg zu räumen, was uns schaden könnte. Die Feinde lauern auf den Augenblick, wo der Gläubige vom Wege abirrt oder zu Fall kommt, und freuen sich darüber. Der Herr schenke uns deshalb wachsame und nüchterne Herzen, damit wir nicht den Widersachern zum Gespött werden und zur Verunehrung Gottes dienen! ,,Leite mich auf ebenem Pfade um meiner Feinde willen!“

Vers 12 – Schutz vor falschen Zeugen

Die Bedrängnis Davids seitens seiner Feinde war so groß, dass er zu Gott fleht: „Gib mich nicht preis der Gier meiner Bedränger! Denn falsche Zeugen sind wider mich aufgestanden und der da Gewalttat schnaubt.“ Ein Größerer als David tritt hier unwillkürlich vor unser Geistesauge. Denn gegen wen hat sich die Feindschaft des Menschen schlimmer erwiesen, als gegen den Sohn Davids, den Herrn Jesum selbst, als Er hienieden wandelte? Keiner hat sie so erfahren und so tief gefühlt wie Er; und ich zweifle nicht daran, dass der Geist Gottes in diesen Worten das Flehen des Herrn selbst ausgedrückt hat. Wider Ihn sind in der Tat „falsche Zeugen aufgestanden und der da Gewalttat schnaubt“. Satan selbst war es, der die Menschen zu der äußersten Feindschaft und Bosheit gegen Ihn aufreizte.

Im 22. Psalm hören wir den Herrn ausrufen: „Hunde haben mich umgeben, eine Rotte von Übeltätern hat mich umzingelt“. O, was muss Er gefühlt und gelitten haben, als Sein Volk, zu dessen Heil Er gekommen war und das Er so innig liebte, so gegen Ihn auftrat!

Der treue Überrest der Juden am Ende der Tage wird Ähnliches von Seiten des Antichrists und der Gottlosen des Volkes erfahren. Auch er wird dann zu Jehova schreien: „Gib mich nicht preis der Gier meiner Bedränger!“ Gott wird den Glauben in den Herzen dieser Treuen stärken, so dass sie durch alle Bedrängnisse und Schrecken hindurch das herrliche Ende erblicken: »Wenn ich nicht geglaubt hätte, das Gute Jehovas zu schauen im Lande der Lebendigen . . .!“ Ja, wenn dieser Ausblick nicht wäre, so würden sie in so schweren Leiden, mit dem sicheren Tode beständig vor Augen, den Mut verlieren und kraftlos niedersinken. Doch der Glaube zeigt ihnen, dass der Augenblick nahe ist, wo Jehova durch Sein Erscheinen ihre Feinde vernichten wird, um dann Sein Herrliches Friedensreich aufzurichten, in welchem sie von Kampf und Leid ausruhen und „das Gute Jehovas“ schauen werden.

Vers 13 – Der Blick auf das Gute Jehovas

Gott hat uns solch großen Bedrängnissen nicht ausgesetzt. Wir haben weder blutige Verfolgungen zu erdulden, wie viele Kinder Gottes vor uns, noch werden wir, wie Israel, durch die schrecklichen Gerichte gehen, welche bald über die Welt hereinbrechen werden. Dennoch erfährt jeder Christ, der seinem Herrn treu nachfolgt und Ihn durch Wort und Wandel bekennt, auch heute noch die Feindschaft der Welt. Daneben sind manche Trübsale und Leiden unser Teil. Was kann uns darin stärken und aufrechthalten? Der Glaube allein. Er lässt uns über alles Sichtbare, Bittere und Schwere hinweg auf das herrliche Ziel schauen, welches Gottes Liebe uns bereitet hat. Bald, bald wird unser teurer Herr kommen, nicht um uns in das „Land der Lebendigen“ auf dieser Erde zu bringen, sondern um uns einzuführen in die herrlichen Wohnungen des Vaterhauses droben.

Vers 14 – Gottes Antwort: Harre auf Jehova

Am Schlusse unseres Psalms wendet Gott selbst sich zu dem Gläubigen und ruft ihm die kostbaren und ermunternden Worte zu: „Harre auf Jehova! sei stark, und dein Herz fasse Mut, und harre auf Jehova!“ Wie schön ist das! Es ist die gnädige Antwort Gottes auf das Flehen des Psalmisten, welcher der Aufforderung Jehovas: ,,Suchet mein Angesicht!« mit einfältigem Vertrauen nachgekommen ist. Zwar muss er noch eine kurze Zeit ausharren und im Glauben auf Jehova warten, aber sein Herz soll nicht verzagen, sondern stark sein und Mut fassen: Jehova wird ihn sicher erretten aus allen seinen Bedrängnissen.

Das ist ein ermunterndes Wort auch für uns, wenn wir durch Trübsale und Leiden gehen. Oft kann der Herr nicht sogleich unser Flehen erhören. Er muss uns nach Seiner Weisheit und Liebe eine Zeitlang in der Trübsal lassen, damit wir durch dieselbe geübt und ihrer gesegneten Folgen teilhaftig werden. Lasst uns denn im Glauben auf Ihn harren, Sein Angesicht suchen und uns nicht nach menschlichen Hilfsmitteln umsehen! Gott selbst, der alles in Seiner Hand hat und jede Trübsal wenden kann, sobald Er es für gut findet, ermuntert uns zum Ausharren. Er ruft uns zu: „Sei stark, und dein Herz fasse Mut!“

Können wir uns noch wundern, wenn David nach solchen Erfahrungen der Güte Gottes danach trachtete, diesen gnadenreichen Gott besser und tiefer kennen zu lernen, wenn es der eine Wunsch seines Herzens war, alle Tage seines Lebens in Seinem Hause zu wohnen, um Seine Lieblichkeit anzuschauen? Wir sollten uns aber billig wundern, wenn Seine Wege und Führungen mit uns nicht dasselbe gesegnete Ergebnis haben, wenn unsere Herzen, anstatt in Ihm zu ruhen und Seine Güte zu besingen, mutlos, dürre und leer sind.

Psalm 27 – Botschafter des Heils (1908)

Auslegung nach Versen – Vollständiger Originaltext

Vers 1 – Vertrauen und Ruhe in Gott

Eine Seele, welche so die Gemeinschaft des Herrn genießt und sich in Ihm erfreut, ist völlig ruhig im Blick auf die Umstände des Weges durch diese Welt . Sie blickt nicht auf die Umstände, sondern auf den Herrn selbst und bekennt: „Er wird mich bergen in seiner Hütte am Tage des Übels.“

Alle Prüfungen dienen der Läuterung; der Gläubige ruht in Gottes Liebe und weiß sich geborgen, selbst wenn Stürme über ihn hinweggehen . David war überzeugt, dass Jehova ihn retten würde, und rief aus: „Opfer des Jubelschalls will ich opfern in seinem Zelte.“

Verse 2–3 – Furchtlosigkeit trotz Feinden

Das Zelt Jehovas hatte für David einen besonderen Wert. Er suchte eine Stätte für Jehova und fand sie, indem er die Bundeslade in das Zelt brachte . David tanzte mit aller Kraft vor Jehova, als die Lade hinaufgebracht wurde Aktuelle SeiteAktuelle Seite. Und David und das ganze Haus Israel brachten die Lade Jehovas hinauf mit Jauchzen und mit Posaunenschall«. ( 2. Sam. 6, ….

Er setzte sich vor Jehova nieder, um Ihm Lob und Dank darzubringen, und sehnte sich danach, dort zu wohnen und nach Ihm zu forschen . Am Tage des Übels eilte er in Gottes Gegenwart und fühlte sich dort sicher und geborgen Aktuelle SeiteAktuelle Seite. Hier fühlt er sich sicher und geborgen vor seinen Feinden..

Vers 4 – Der Wunsch, im Hause Gottes zu wohnen

Die Gläubigen der Jetztzeit dürfen noch mehr genießen als David, denn der Geist Gottes hat uns die Gedanken Gottes vor Grundlegung der Welt offenbart . Beim Nachsinnen darüber entfaltet sich ein Feld reichster Segnungen, das die Liebe Gottes immer größer erscheinen lässt Aktuelle SeiteAktuelle Seite. Wenn wir darüber nachsinnen, so enthüllt sich ein unabsehbares Feld der reichsten Segnungen vor unseren staunenden Blick….

Die natürliche Folge: Wir bringen Opfer des Jubelschalls dar und singen Psalmen.

Vers 5–6 – Schutz und Freude im Heiligtum

Mit Vers 7 beginnt der zweite Teil des Psalms: Die Lage verändert sich plötzlich. Der Psalmist ruft nun aus der Bedrängnis zu Jehova, und die Verse 7–14 zeigen die inneren Übungen, die dem Vertrauen der ersten Verse vorausgingen .

Vers 7 – Der Schrei aus der Bedrängnis

Der Gläubige beruft sich nicht auf seine Lauterkeit, sondern auf Gottes Gnade und erinnert Ihn an die Aufforderung: „Suchet mein Angesicht!“ Gott kann sein Angesicht nicht verbergen, wenn der Knecht in Bedrängnis ist.

Vers 8 – „Suchet mein Angesicht!“

David weiß, dass Gott Grund zum Zorn hätte, und bittet: „Verbirg dein Angesicht nicht vor mir.“ Doch er vertraut zugleich völlig auf die Gnade und sagt: „Du bist meine Hilfe gewesen.“

Selbst wenn Vater und Mutter ihn verlassen würden, nähme Jehova ihn auf .

Vers 9 – Bitte um Gnade trotz Schuld

Der Gläubige zweifelt nicht an Gottes Liebe, selbst wenn er fühlt, dass Gott Ursache zum Zorn hat. Auch in Zeiten der Züchtigung bleibt Gottes Liebe unverändert, wie damals, als Jesus am Kreuz starb .

Vers 10 – Gott nimmt den Verlassenen auf

David bittet: „Lehre mich, Jehova, deinen Weg.“ Diese Bitte zeigt Abhängigkeit und den Wunsch, nicht eigene Wege, sondern Gottes Weg zu gehen.

Viele Gläubige geraten in Leid, weil sie eigene Wege einschlagen und nicht in dieser Abhängigkeit bleiben .

Vers 11 – Bitte um Leitung auf Gottes Weg

Der Gläubige soll umkehren und neu bitten: „Lehre mich, o Gott, deinen Weg!“ In religiöser Verwirrung ist es nötig, Gottes Wort zu erforschen und sich seinem Gebot zu unterwerfen.

David betet weiter: „Leite mich auf ebenem Pfade um meiner Feinde willen.“ Der Weg ist voller Gefahren; der Herr allein kann ihn ebnen und bewahren.

Vers 12 – Schutz vor falschen Zeugen

David fleht: „Gib mich nicht preis der Gier meiner Bedränger!“ Falsche Zeugen standen gegen ihn auf — wie gegen Christus selbst, der tiefste Feindschaft erfuhr Aktuelle SeiteAktuelle Seite. Satan selbst war es, der die Menschen zu der äußersten Feindschaft und Bosheit gegen Ihn aufreizte. Im 22..

Der Überrest Israels wird Ähnliches erleben und durch Glauben auf das Ende schauen: „Das Gute Jehovas im Lande der Lebendigen.“

Vers 13 – Der Blick auf das Gute Jehovas

Auch wir erleben Feindschaft und Trübsal, doch der Glaube richtet den Blick auf das herrliche Ziel, das Gottes Liebe bereitet hat . Bald wird der Herr kommen und uns in die Wohnungen des Vaterhauses führen Aktuelle SeiteAktuelle Seite. Bald, bald wird unser teurer Herr kommen, nicht um uns in das „Land der Lebendigen“ auf dieser Erde zu bringen, sondern ….

Vers 14 – Gottes Antwort: Harre auf Jehova

Gott selbst spricht: „Harre auf Jehova! Sei stark, und dein Herz fasse Mut.“ Der Gläubige soll ausharren, denn Gott wird sicher erretten.

Auch wir sollen im Glauben warten und nicht nach menschlichen Hilfsmitteln greifen . Gottes Wege sollen uns dahin führen, dass wir Ihn tiefer kennen und Seine Güte besingen.