Priestertum im Alten und Neuen Testament

Priestertum im Alten und Neuen Testament

I) Wortbedeutung

  1. Das hebräische Wort für „Priester“ (kohen) stammt von einem Verb, das „als Priester dienen, das Priesteramt ausüben“ bedeutet. Die ursprüngliche Grundbedeutung dieses Verbs erscheint in der Bibel nicht mehr; vermutlich lautete sie „stehen“. Ein Priester wäre demnach jemand, der dienend vor der Gottheit steht (vgl. 5Mo 10,8; 18,7 – dort ist allerdings von den Leviten die Rede, nicht von Priestern im engeren Sinn). Manche haben angenommen, das Verb habe ursprünglich „rüsten, zurichten“ (im Sinn von Opferzubereitung) bedeutet, doch das ist weniger wahrscheinlich. Im Arabischen existiert ein verwandtes Wort mit der Bedeutung „Wahrsager“. Dies dürfte jedoch eine einseitige Weiterentwicklung eines gemeinsamen Grundbegriffs sein, da Priester vieler Völker sowohl kultische Handlungen vollzogen als auch göttliche Weisung vermittelten.
  2. In den Listen der Hofbeamten Davids und Salomos bedeutet das hebräische Wort an einigen Stellen „Beamter“ oder „Ratgeber“. Die Söhne Davids, die in 2Sam 8,18 als „Priester“ bezeichnet werden (LXX: aularchai, „Hofbeamte“), werden in 1Chr 18,17 als „die Ersten an der Seite des Königs“ beschrieben. Sabud (1Kön 4,5) ist „Priester“ und zugleich Freund des Königs, und auch Ira (2Sam 20,26) hat vermutlich ein Hofamt ausgeübt.

II) Die Priester des Alten Testaments

Schon bei Kain und Abel, bei Noah und den Erzvätern berichtet die Bibel, dass sie Gott Opfer darbrachten. Auch in 2Mo 19,24 werden Priester erwähnt. Im Allgemeinen übten sie ihr priesterliches Amt wohl als Familienoberhäupter aus (Hiob 1,5). Das Priestertum Melchisedeks nimmt eine Sonderstellung ein.

Am Sinai beauftragte Gott Mose, seinen Bruder Aaron und dessen Söhne – Nadab, Abihu, Eleasar und Itamar – zu Priestern zu weihen (2Mo 28). Damit wurde der Priesterdienst Israels auf diese Familie und ihre Nachkommen beschränkt. Die übrigen Leviten wurden ihnen untergeordnet und sollten beim Dienst am Heiligtum helfen (4Mo 3,5–13; 8,5–22; 18,6f).

Trotz der Einsetzung des aaronitischen Priestertums wird berichtet, dass auch später Männer Opfer darbrachten, die nicht zu dieser Familie gehörten. Die Opferhandlungen Davids (2Sam 6,17) und Salomos (1Kön 3,3) müssen nicht bedeuten, dass die Könige alle kultischen Handlungen selbst vollzogen. Bei Gideon (Ri 6,17–21), Manoach (Ri 13,15–20), Samuel (1Sam 7,9.17; 9,12; 10,8; 16,2) und Elia (1Kön 18,30–38) wird es jedoch ausdrücklich gesagt. Dies zeigt, dass unter bestimmten historischen Umständen (Richterzeit, Zerstörung des Heiligtums in Silo, Trennung des Nordreichs von Jerusalem) auch Nicht-Aaroniten opfern durften.

1) Voraussetzungen für das Priesteramt

Priester durften keine körperlichen Fehler haben (3Mo 21,17–24). Für sie galten strengere Vorschriften hinsichtlich kultischer Reinheit und Eheschließung als für gewöhnliche Israeliten (3Mo 21; 22). Für den Hohenpriester waren die Anforderungen nochmals strenger. Diese Regelungen sollten die Heiligkeit Gottes und die besondere Mittlerrolle des Priesters zwischen Volk und heiligem Gott verdeutlichen.

2) Wohnorte und Unterhalt der Priester

In Kanaan lebten die Priester in 13 der 48 den Leviten zugewiesenen Städte. Diese Priesterstädte lagen alle in der Nähe Jerusalems, in den Gebieten von Juda, Simeon und Benjamin (Jos 21). Ihren Lebensunterhalt erhielten die Priester aus den Gaben, die Israel dem Herrn darbrachte. 4Mo 18,8–19 beschreibt genau, welche Teile der Opfer ihnen zustanden. Die Leviten, die den Zehnten von Israel erhielten (4Mo 18,20–24), mussten davon wiederum den zehnten Teil den Priestern geben (4Mo 18,25–32). Auch die körperlich beeinträchtigten Nachkommen Aarons, die nicht dienen durften, erhielten Anteil am Einkommen der Priester (3Mo 21,21–22).

3) Dienstkleidung der Priester

Die priesterliche Kleidung bestand aus einer Tunika aus feinem Leinen, einem Gürtel, einer Kopfbedeckung und leinenen Beinkleidern (2Mo 28,40.42). Priester verrichteten ihren Dienst barfuß, was im Zusammenhang mit 2Mo 3,5 zu verstehen ist.

4) Weihe der Priester

Die Weihe wird in 2Mo 29,1–35 angeordnet und in 3Mo 8 beschrieben. Dabei wurden ein Stier als Sündopfer (V. 14–17), ein Widder als Brandopfer (V. 18–21) und ein Widder als Einsetzungsopfer (V. 22–29) dargebracht. Zudem wurde Salböl über die Priester gegossen. Aus 2Mo 28,41; 40,15; 3Mo 8,30 geht hervor, dass nicht nur Aaron, sondern auch seine Söhne gesalbt wurden. Das bedeutet, dass alle Priester gesalbt werden sollten; möglicherweise wurde später nur noch der Hohepriester gesalbt. Die Salbung symbolisierte die Aussonderung für Gott und die Gabe seines Geistes.

5) Aufgaben der Priester

Priester waren Mittler zwischen Gott und dem Volk. Sie vertraten das Volk vor Gott, indem sie den Dienst am Heiligtum verrichteten – im Heiligen des Tempels und am Brandopferaltar im Vorhof. Vor dem Tempelbau galt Entsprechendes für die Stiftshütte.

Im Heiligen hatten sie das Räucherwerk auf dem Räucheraltar zu entzünden und die Opfer auf dem Brandopferaltar darzubringen. Sie sorgten für die Geräte im Heiligen (Leuchter, Schaubrottisch) und achteten darauf, dass das Feuer auf dem Brandopferaltar ständig brannte. Auch die Reinigung und Instandhaltung des Heiligtums gehörte zu ihren Aufgaben. Zu Beginn eines Feldzugs sollten die Priester die silbernen Trompeten blasen, ebenso an Festtagen, um Israel vor Gott in Erinnerung zu bringen (4Mo 10,9).

Als Mittler hatten die Priester auch Gott vor dem Volk zu vertreten. Sie sollten das Volk im Gesetz unterweisen und schwierige Rechtsfälle entscheiden (3Mo 10,11; 5Mo 17,8–13; 19,17; 21,5).

Leitvers:

Hebräer 7,25 – „Daher kann er die völlig erretten, die durch ihn zu Gott kommen, weil er immerdar lebt, um für sie einzutreten.“

I. Einleitung – Warum das Priestertum heute trägt

Das Thema Priestertum ist kein Randthema der Bibel. Es ist eine tragende Linie, die die ganze Heilsgeschichte verbindet:

  • Im Alten Testament öffnet Gott den Weg zu sich durch Priester, Opfer und Heiligkeit.
  • Im Neuen Testament erfüllt Christus dieses Priestertum vollkommen – und macht die Gemeinde zu einem geistlichen Priestertum.

Auf deiner geöffneten Seite wird Hebräer 7 als „theologisches Herzstück des Priestertums Christi“ bezeichnet . Und 1Petrus 2 zeigt die Gemeinde als „geistliche Priester“ und „lebendige Steine“ Aktuelle SeiteAktuelle Seite. Petrus verbindet hier Gemeinde‑Identität, Heiligkeit, Unterordnung und Christus als Vorbild im Leiden. 1..

Warum ist das wichtig? Weil Priestertum erklärt:

  • Wie Gott sich dem Menschen nähert.
  • Wie der Mensch Gott begegnen kann.
  • Warum Christus unverzichtbar ist.
  • Warum die Gemeinde eine priesterliche Identität hat.

II. Priestertum im Alten Testament – Gottes heilige Brücke

1. Berufung und Heiligung (2Mo 28–29; 3Mo 8–9)

Priestertum beginnt nicht mit menschlicher Initiative, sondern mit Gottes Ruf: „Nimm Aaron und seine Söhne… damit er mir als Priester diene.“ (2Mo 28,1) Die Kleidung ist „zur Ehre und zur Zierde“ (2Mo 28,2) – ein Zeichen, wie Gott den Menschen sieht .

3Mose 8–9 zeigt die Einsetzung Aarons:

  • Waschung → Reinigung
  • Kleidung → Berufung
  • Salbung → Befähigung
  • Opfer → Hingabe
  • Segen → Bestätigung Gottes

In 3Mose 9 erscheint die Herrlichkeit Gottes, als der priesterliche Dienst gehorsam ausgeführt wird .

2. Aufgaben des Priesters (3Mo 10; 4Mo 3; 4Mo 18)

Der Priester hat drei Hauptaufgaben:

  • Opfer bringen – Zugang zu Gott ermöglichen.
  • Lehren – das Volk Gottes Wege verstehen lassen.
  • Unterscheiden – heilig und unheilig, rein und unrein.

4Mose 3 zeigt die Leviten als „Wächter des Heiligtums“ – eingesetzt, weil Gott die Erstgeburt beansprucht .

3. Heiligkeit des Dienstes (3Mo 21)

3Mose 21 betont die Heiligkeit der Priester:

  • Umgang mit Tod
  • Ehe und Familie
  • Körperliche Makel (symbolische Vollkommenheit)

Heiligkeit ist nicht moralische Perfektion, sondern sichtbare Absonderung für Gott.

4. Priesterliche Verantwortung und Gericht (4Mo 25; 4Mo 20)

Phinehas’ Eifer rettet Israel vor dem Gericht Gottes (4Mo 25) – ein priesterlicher Einsatz für Gottes Ehre . Der Tod Aarons in 4Mo 20 markiert den Übergang des Amtes – Priestertum ist größer als der Mensch.

5. Prophetische Vertiefung (Hesekiel 44–46)

Hesekiel 44 zeigt, wie Gottes Herrlichkeit den Tempel prägt und wie Priester leben müssen, wenn Gott im Haus wohnt . Hesekiel 46 verbindet Gottesdienst und Alltag – Heiligkeit ist umfassend Aktuelle SeiteAktuelle Seite. Einleitung: Der Prophet sieht, wie Gottes Ordnung den Gottesdienst und den Alltag prägt In Hesekiel 45 ordnete Gott das ….

III. Priestertum im Neuen Testament – Christus, der vollkommene Hohepriester

1. Christus nach der Ordnung Melchisedeks (Hebräer 7;1Mo 14,18–20)

Melchisedek erscheint in der Bibel als König der Gerechtigkeit und König des Friedens (Hebr 7,1–3) – eine Gestalt ohne Anfang und Ende, ohne Stammbaum, ohne Nachfolge. Genau diese Besonderheit macht ihn zu einem prophetischen Bild für Christus, Hebr 5,6; 5,10; 6,20; 7,1–3; 7,9–11; 7,14–17,

Prophetische AnkündigungPs 110,4

Hebräer 7 ist das Zentrum des neutestamentlichen Priestertums. Die Seite sagt: „Christus ist der Hohepriester, den das Alte Testament angekündigt, aber nie hervorgebracht hat.“

Melchisedek ist:

  • König der Gerechtigkeit
  • König des Friedens (Hebr 7,1–3)
  • Priester ohne Anfang und Ende – ein Bild für Christus.

Christus ist der bessere Hohepriester, weil:

  • Sein Opfer vollkommen ist (Hebr 9–10).
  • Sein Dienst ewig ist (Hebr 7,24).
  • Seine Fürbitte ununterbrochen ist (Hebr 7,25).
  • Sein Heiligtum himmlisch ist (Hebr 8,1–2).

2. Das einmalige Opfer Christi (Hebr 9–10)

Die Opfer des AT waren wiederholt – Christi Opfer ist einmalig und vollkommen. Er tritt nicht mit fremdem Blut ein, sondern mit seinem eigenen.

3. Christus als Mittler des neuen Bundes (Hebr 8)

Der neue Bund bringt:

  • Vergebung
  • Zugang
  • Gemeinschaft
  • Herzveränderung

4. Die Gemeinde als geistliches Priestertum (1Petrus 2)

1Petrus 2 beschreibt Christen als „geistliche Priester“ und „lebendige Steine“ . Das bedeutet:

  • Wir bringen geistliche Opfer (Röm 12,1).
  • Wir verkündigen Gottes Herrlichkeit.
  • Wir leben heilig in einer feindlichen Welt.
  • Wir tun Fürbitte.
  • Wir dienen einander.

5. Priesterliche Identität in der Offenbarung

Offb 1,6 – Christus macht uns zu einem Königreich und Priestern. Offb 5,10 – Priester, die Gott dienen und herrschen. Offb 20,6 – Priester Gottes im messianischen Reich.

IV. AT/NT – Die große Linie

ThemaATNT
Zugang zu GottDurch Priester, durch OpferDurch Christus allein
Art des DienstesKultisch, äußerlichGeistlich, königlich
OpferWiederholt, unvollkommenEinmalig, vollkommen
HeiligkeitReinheitsgeboteHeiligkeit durch Christus
Volk GottesIsrael als priesterliches VolkGemeinde als geistliches Priestertum
ZielZugang ermöglichenGemeinschaft vollenden

V. Anwendungen – Was bedeutet das für uns?

1. Wir haben freien Zugang zu Gott

Hebr 4,16 – Wir dürfen mit Freimütigkeit zum Thron der Gnade kommen.

2. Wir leben als geistliche Priester

  • Wir bringen Opfer des Lobes (Hebr 13,15).
  • AT: 3Mo 7,12–15; Ps 50,14; Ps 69,31–32; Ps 141,2; Hab 3,17–18; Hes 46,13–15
  • NT: Hebr 13,15; 1Petr 2,9; Röm 12,1; Kol 3,16–17; Eph 5,19–20; Apg 16,25; 1Thess 5,16–18
  • Wir bringen Opfer der Hingabe (Röm 12,1).
  • AT: 3Mo 1,3–9; 3Mo 6,8–13; 2Mo 29,18; 3Mo 2,1–3; 3Mo 2,11–13; 3Mo 7,16; Ps 116,17–18; Spr 23,26; Jos 24,14–15
  • NT: Röm 12,1; Gal 2,20; Phil 2,17; Kol 3,17; Mt 16,24–25; Eph 5,2; 1Joh 3,16–18
  • Wir bringen Opfer der Liebe (Hebr 13,16).
  • AT: Mi 6,8; Spr 3,27; Spr 19,17; Jes 58,6–10; Ps 112,9; Ps 41,1–3; 5Mo 15,7–11
  • NT: Hebr 13,16; 1Petr 4,8–10; Gal 5,13; Joh 13,34–35; 1Joh 3,16–18; Jak 1,27; Röm 12,9–13; Eph 5,2; Phil 2,1–4
  • Wir bringen Opfer der Fürbitte (1Tim 2,1).
  • AT: 2Mo 32,11–14; 4Mo 14,13–19; 4Mo 16,46–48; 1Sam 12,23; Jer 14,7–9; Dan 9,3–19; Hiob 42,8–10
  • NT: 1Tim 2,1; Hebr 7,25; Röm 8,34; 1Joh 2,1; Röm 8,26–27; Eph 6,18; Kol 1,9–12; Phil 1,3–4; Jak 5,16

3. Wir tragen Gottes Gegenwart in den Alltag

Wie Hesekiel 46 zeigt: Gottesdienst und Alltag gehören zusammen .

4. Wir leben heilig, weil Gott heilig ist

3Mose 21 zeigt die Heiligkeit des Dienstes – im NT wird sie zur Frucht des Geistes.

AT: 3Mo 11,44–45; 3Mo 19,2; 3Mo 20,7–8; 3Mo 21,6–8; 2Mo 28,36; Hes 46,19–24; Jes 6,3–7; Ps 24,3–4

NT: Hebr 10,10; Hebr 12,14; 1Petr 1,15–16; 1Petr 2,9; Mt 5–7; Röm 12,1–2; 1Thess 4,3–7; Gal 5,16–25; Eph 4,22–24

5. Wir dürfen einander dienen

Priestertum ist Dienst – nicht Status.

AT: Hes 46; 2Mo 28–29; 3Mo 8–10; 4Mo 3; 4Mo 18; Spr 27,17

NT: Mk 10,45; Joh 13,14–15; 1Petr 2,9; Röm 12,6–8; 1Kor 12,4–7; Gal 5,13; Phil 2,3–7; Hebr 13,16; 1Thess 5,11

VI. Schluss – Christus, unser Hohepriester

Christus ist der Hohepriester, der uns völlig erretten kann (Hebr 7,25). Er lebt, um für uns einzutreten. Er hat den Weg geöffnet. Er hat uns berufen. Er hat uns befähigt. Er hat uns gesandt.

Wir sind ein priesterliches Volk – berufen, Gottes Herrlichkeit zu tragen.

„Der Gott des Friedens, der den großen Hirten der Schafe aus den Toten heraufgeführt hat, mache euch tüchtig zu jedem guten Werk.“ (Hebr 13,20–21)