Römer 1,4–7 – Der Sohn Gottes in Macht und die Berufung der Heiligen
Thema: Der Sohn Gottes in Macht – die Berufung der Heiligen – Gnade und Frieden
1. Der Textkern
Paulus beschreibt Jesus Christus als
- den Sohn Gottes in Macht,
- durch die Auferstehung,
- den Herrn,
und erklärt dann seine eigene Berufung, die Berufung der Gemeinde in Rom, und den Gruß: Gnade und Friede.
2. Vers‑für‑Vers Auslegung
Vers 4 – Der Sohn Gottes in Macht
„als Sohn Gottes in Macht eingesetzt“
Hier steht das griechische Wort ὁρισθέντος – „bestimmt, eingesetzt, öffentlich erklärt“.
Wichtig: Jesus wurde nicht erst Sohn Gottes, sondern er wurde als Sohn Gottes in Macht offenbart.
AT‑Linie:
- Ps 2,7 – „Du bist mein Sohn“
- 2Sam 7 – Sohn Davids, Sohn Gottes
- Jes 9,6 – der Sohn, der gegeben wird
NT‑Linie:
- Joh 1,14 – der ewige Sohn
- Joh 17,5 – Herrlichkeit vor der Welt
- Hebr 1,3 – Abglanz der Herrlichkeit
Die Auferstehung ist Gottes öffentliche Bestätigung: Jesus ist der Sohn Gottes – nicht nur im Wesen, sondern in Macht.
„dem Geist der Heiligkeit nach“
Das bedeutet:
- nicht menschliche Herkunft,
- sondern göttliche Natur,
- der Heilige Geist als Kraftdimension.
AT‑Linie:
- Gottes Geist schafft Leben (Gen 1,2; Ps 104,30).
- Der Messias ist Geist‑gesalbt (Jes 11,2; Jes 61,1).
NT‑Linie:
- Jesus wirkt im Geist (Lk 4,18).
- Jesus wird im Geist auferweckt (Röm 8,11).
Jesu Auferstehung ist ein Werk des Heiligen Geistes – die neue Schöpfung beginnt.
„durch die Auferstehung von den Toten“
Die Auferstehung ist der Wendepunkt der Heilsgeschichte.
AT‑Linie:
- Hos 6,2 – „Am dritten Tag wird er uns aufrichten.“
- Ps 16,10 – „Du wirst deinen Frommen nicht der Verwesung preisgeben.“
NT‑Linie:
- Mt 28 – Auferstehung
- Apg 2 – Petrus predigt Ps 16
- 1Kor 15 – Auferstehung als Fundament des Glaubens
Die Auferstehung ist Gottes Siegel: Jesus ist Herr, Retter, König.
„Jesus Christus, unser Herr“
Paulus setzt den Titel Herr (κύριος) bewusst:
AT‑Linie:
- „Herr“ ist Gottes Name (JHWH → Kyrios in der LXX).
- Der Messias wird „Herr“ genannt (Ps 110,1).
NT‑Linie:
- Phil 2,11 – „Jesus Christus ist Herr.“
- Apg 10,36 – „Er ist Herr über alle.“
Der Auferstandene ist nicht nur Retter, sondern Herr über alles.
Vers 5 – Gnade und Apostelamt
„durch den wir Gnade und Apostelamt empfangen haben“
Paulus verbindet zwei Dinge:
- Gnade – Gottes unverdiente Zuwendung
- Apostelamt – Gottes Auftrag
AT‑Linie:
- Berufung ist immer Gnade (Mose, Jesaja, Jeremia).
- Dienst ist immer Geschenk, nie Verdienst.
NT‑Linie:
- 1Kor 15,10 – „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“
- Gal 1,15 – Berufung aus Gnade.
Jeder Dienst beginnt mit Gnade – nicht mit Leistung.
„zum Gehorsam des Glaubens unter allen Heiden“
Das ist ein Schlüsselbegriff des Römerbriefs.
Gehorsam des Glaubens bedeutet:
- Glaube ist nicht nur Denken, sondern Unterordnung.
- Glaube führt zu Gehorsam.
- Gehorsam entspringt dem Glauben.
AT‑Linie:
- Abraham: Glaube → Gehorsam (Gen 12; Gen 22).
- Israel: Glaube und Gehorsam gehören zusammen (Dtn 6).
NT‑Linie:
- Jak 2 – Glaube ohne Werke ist tot.
- Röm 16,26 – „Gehorsam des Glaubens“ als Schlusswort.
Glaube ist nicht passiv – er führt zu einem neuen Lebensstil.
„um seines Namens willen“
Das Evangelium dient nicht dem Menschen, sondern der Ehre Christi.
AT‑Linie:
- Gott handelt „um seines Namens willen“ (Ps 23,3; Hes 36,22).
NT‑Linie:
- Phil 2,10 – jedes Knie beugt sich vor seinem Namen.
- Apg 4,12 – kein anderer Name rettet.
Mission ist Christus‑Ehre, nicht Menschen‑Zentrierung.
Vers 6 – Berufung der Gemeinde
„zu denen ihr auch gehört, die berufen sind“
Berufung ist Gottes souveräne Initiative.
AT‑Linie:
- Gott ruft Abraham, Mose, Propheten.
NT‑Linie:
- Gott ruft Sünder (Röm 8,30).
- Gott ruft in die Gemeinschaft Christi (1Kor 1,9).
Christsein beginnt nicht mit menschlicher Entscheidung, sondern mit Gottes Ruf.
„Jesu Christi“
Die Gemeinde gehört Christus.
AT‑Linie:
- Israel gehört Gott (Dtn 7,6).
NT‑Linie:
- Gemeinde ist „Christi Leib“ (Eph 1,22–23).
- Gemeinde ist „Christi Braut“ (Offb 19,7).
Identität der Gemeinde: Christus‑Zugehörigkeit.
Vers 7 – Identität der Christen: Geliebte, Berufene, Heilige
„an alle Geliebten Gottes“
AT‑Linie:
- Israel ist Gottes geliebtes Volk (Dtn 7,7–8).
NT‑Linie:
- Joh 3,16 – Gott liebt die Welt.
- Röm 5,8 – Gott beweist seine Liebe.
Christsein beginnt mit Gottes Liebe, nicht mit menschlicher Leistung.
„berufene Heilige“
Heiligkeit ist Berufung, nicht Perfektion.
AT‑Linie:
- Israel ist „heilig“ (Lev 19,2).
- Heiligkeit bedeutet Zugehörigkeit zu Gott.
NT‑Linie:
- 1Kor 1,2 – „berufene Heilige“.
- 1Petr 2,9 – „heiliges Volk“.
Heiligkeit ist Identität – nicht moralische Selbstoptimierung.
„Gnade sei mit euch und Friede“
Das ist mehr als ein Gruß – es ist eine Segensformel.
AT‑Linie:
- „Friede“ (Schalom) = Ganzheit, Heil, Segen.
NT‑Linie:
- Gnade und Friede kommen durch Christus (Joh 14,27; Eph 2,14).
Gnade ist Gottes Zuwendung – Friede ist Gottes Geschenk.
3. Gliederung
Titel: Der Sohn Gottes in Macht – und die Berufung der Heiligen
1. Christus – der Sohn Gottes in Macht (V. 4)
- Auferstehung als göttliche Bestätigung
- Geist der Heiligkeit
- Herrschaft Christi
2. Paulus – Berufung aus Gnade (V. 5)
- Gnade und Auftrag
- Gehorsam des Glaubens
- Christus‑Ehre als Ziel
3. Gemeinde – Geliebte und Berufene (V. 6–7)
- Gottes Ruf
- Heiligkeit als Identität
- Gnade und Friede als Lebensgrundlage
4. Tabelle
| Vers | Inhalt | AT‑Bezüge | NT‑Linie | Predigtpunkt |
|---|---|---|---|---|
| 4 | Sohn Gottes in Macht | Ps 2; Jes 9 | Joh 1; Phil 2 | Auferstehung bestätigt Christus |
| 5 | Gnade & Apostelamt | Abraham, Mose | 1Kor 15; Gal 1 | Dienst beginnt mit Gnade |
| 6 | Berufung der Gemeinde | Dtn 7 | Röm 8; 1Kor 1 | Gott ruft in Christus |
| 7 | Geliebte, Heilige, Gnade | Lev 19; Schalom | Joh 14; Eph 2 | Identität aus Gnade |
5. Fazit
Römer 1,4–7 ist ein komprimiertes Evangelium: Christus ist der Sohn Gottes in Macht, Paulus ist Diener aus Gnade, die Gemeinde ist berufen und geliebt, und Gottes Gruß ist Gnade und Friede.

