Sicherheit, Gewissheit und Genuss, George Cutting
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Der Text ruft eindringlich zur Umkehr: „Heute ist der Tag des Heils.“
Wie der Mensch Sicherheit, Gewissheit und Freude im Heil erlebt
Gleichgültigen – „Heute, wenn ihr seine Stimme hört…“
Zielgruppe: Menschen der dritten Klasse – gleichgültig, beschäftigt, abgelenkt.
Biblische Anwendung
- Hebräer 3,7–8 – „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht.“
- Apostelgeschichte 17,30–31 – Gott „gebietet jetzt den Menschen, dass sie alle überall Buße tun“.
- Lukas 12,20 – „Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern.“
Kernbotschaft
Die Ewigkeit ist näher als du denkst.
Gleichgültigkeit ist nicht neutral – sie ist Unglaube.
Wer die Einladung Gottes ignoriert, entscheidet sich bereits gegen ihn.
Konkrete Schritte
- Stelle dich der Frage: Wo endet meine Reise?
- Bitte Gott um ein erwachtes Gewissen (Ps 139,23–24).
- Lies das Evangelium von Johannes – täglich ein Kapitel.
Ungewissen – „Damit ihr wisst…“
Zielgruppe: Menschen der zweiten Klasse – gläubig, aber ohne Gewissheit.
Biblische Anwendung
- 1. Johannes 5,13 – „Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst…“
- Johannes 5,24 – „Wer glaubt… hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht.“
- Römer 8,1 – „Keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.“
Kernbotschaft
Gewissheit kommt nicht aus Gefühlen, sondern aus Gottes Wort.
Gefühle schwanken – Gottes Zusage nicht.
Konkrete Schritte
- Schreibe dir Gottes Zusagen auf (Joh 3,16; Joh 10,28; Hebr 10,14).
- Lies sie laut – täglich.
- Ersetze jedes „Ich fühle…“ durch „Gott sagt…“.
Die Erretteten – „Freut euch im Herrn allezeit“
Zielgruppe: Menschen der ersten Klasse – errettet und gewiss.
Biblische Anwendung
- Galater 5,22 – Die Frucht des Geistes: Liebe, Freude, Friede.
- Psalm 51,12 – „Gib mir wieder die Freude deines Heils.“
- 1. Johannes 1,9 – Bekenntnis stellt Gemeinschaft wieder her.
Kernbotschaft
Sicherheit und Gewissheit sind dauerhaft –
Freude ist es nicht, wenn der Gläubige im Fleisch wandelt.
Konkrete Schritte
- Pflege tägliche Gemeinschaft mit Gott (Ps 16,11).
- Bekenne Sünde sofort – nicht erst nach Tagen.
- Suche Gelegenheiten zum Dienst (Gal 5,13).
- Fülle dein Herz mit Christus, nicht mit Weltlichem (Kol 3,1–2).
Alle drei Gruppen – Christus ist der Mittelpunkt
Biblische Anwendung
- Johannes 1,29 – „Siehe, das Lamm Gottes…“
- Hebräer 12,2 – „Hinsehen auf Jesus…“
- Apostelgeschichte 4,12 – „In keinem anderen ist das Heil.“
Kernbotschaft
Ob du gleichgültig, ungewiss oder gewiss bist –
alles beginnt und endet mit Christus.
Er ist:
- der Weg des Heils (Joh 14,6)
- die Gewissheit des Heils (Joh 10,28)
- die Freude des Heils (Phil 4,4)
Zusammenfassung
| Zustand | Problem | Biblische Antwort | Schlüsselvers |
|---|---|---|---|
| Gleichgültig | Unglaube | Buße & Erwachen | Hebr 3,7–8 |
| Ungewiss | Gefühle statt Wort | Vertrauen auf Gottes Zusage | 1 Joh 5,13 |
| Errettet | Verlust der Freude | Wandel im Geist | Gal 5,22 |
Wer auf Christus schaut, hat Sicherheit. Wer Gottes Wort glaubt, hat Gewissheit. Wer im Geist wandelt, hat Genuss.
Sicherheit, Gewißheit und Genuß
Wir alle, Schreiber und Leser dieser Zeilen, befinden uns auf der bedeutungsvollen Reise aus der Zeit in die Ewigkeit, und keiner von uns weiß, wie nahe er dem Ziel ist. Bald, vielleicht
völlig unerwartet, kann unsere Reise zu Ende gehen. Da ist es wohl der Mühe wert, daß wir uns fragen, wo sie enden wird.
Um diese Frage richtig beantworten zu können, muß zunächst eine andere Frage in Ordnung gebracht sein, diese lautet: In welcher Klasse reise ich? —Es gibt drei Klassen, wenn ich dieses
Bild gebrauchen darf. In der ersten Klasse sind solche, die errettet sind und sich ihrer Errettung bewußt sind.
In der zweiten Klasse solche, die ihrer Errettung nicht gewiß sind, aber es gerne werden möchten. Die dritte Klasse umfaßt alle, die nicht nur nicht errettet, sondern auch völlig gleichgültig in bezug auf ihr ewiges Seelenheil sind. In einer von diesen Klassen befindet sich jeder Mensch, und die überaus wichtige Frage ist: In welcher? Es gibt nichts Törichteres, als gleichgültig zu sein, wenn es sich um die Ewigkeit handelt. Aber ach! wie viele Millionen von Menschen mühen sich Tag für Tag rastlos um ihre zeitlichen Interessen ab und scheuen keine Anstrengung, um sie zu fördern, während sie in bezug auf ihr ewiges Wohl wie mit Blindheit geschlagen zu sein scheinen.
Trotz der unendlichen Liebe, die Gott auf Golgatha gegen Sünder geoffenbart hat, trotz Seines
oft ausgesprochenen Hasses gegen die Sünde, trotz der wohlbekannten Kürze des menschlichen Lebens, trotz all der Schrecken des Gerichts nach diesem Leben eilt der Mensch in Sorglosigkeit dem schrecklichen Ende seines Weges entgegen, als wenn es keinen Gott, keinen Tod, kein Gericht, keinen Himmel und keine Hölle gebe. Gehörst du auch zu dieser Klasse von
Personen, mein lieber Leser? Oh, möchte dann Gott in diesem Augenblick Erbarmen über dich haben und dir, während du diese Zeilen liest, die Augen öffnen, damit du deine gefährliche Stellung erkennst und siehst, daß du auf der Schwelle eines ewigen, endlosen Wehes stehst!
Du magst es glauben wollen oder nicht, aber dein Fall ist in Wahrheit ein verzweifelter Fall.
O weise den Gedanken an die Ewigkeit nicht länger zurück! Es ist der große Feind der Seelen,
„ein Dieb“ und „ein Mörder“, der dich betören will und zum Aufschub zu veranlassen sucht. Es gibt ein spanisches Sprichwort, das lautet: Der Weg, „Später einmal“ führt zu der Stadt
„Niemals“. Darin liegt viel Wahrheit, und ich bitte dich, verfolge diesen Weg nicht länger! „Heute ist die Zeit der Annehmung, heute ist der Tag des Heils“.
Doch vielleicht antwortest du mir: „Ich bin nicht gleichgültig in betreff des Heils meiner Seele. Im Gegenteil, ich bin oft tief bekümmert; aber ich befinde mich in völliger Ungewißheit ich bin, um IhrBild zu gebrauchen, in der zweiten Klasse“. Dann, mein Freund, höre, daß dein Zustand wohl ein anderer ist als der Zustand eines gleichgültigen Menschen, daß ihm aber dieselbe Sache zugrunde liegt. Gleichgültigkeit und Ungewißheit wachsen auf demselben Boden, der Unglaube heißt.
Der erste Zustand ist das Resultat des Unglaubens im Blick auf die Sünde und das Verderben des Menschen, der zweite, der deine, die Folge des Unglaubens im Blick auf das unumschränkte Heilmittel Gottes für den Menschen. Ich kann deine Seelennot sehr gut verstehen und bin überzeugt, daß, je größer dein Ernst ist, mit dem du diese überaus wichtige Sache
betrachtest, um so größer auch dein Verlangen sein wird, Gewißheit über deine ewige Errettung zu erlangen. „Denn was wird es dem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne, aber seine Seele einbüßte“ (Mt 16, 26)?
Einem Menschen, der sich verirrt hat und müde und hungrig an einem Scheideweg anlangt, kann es nicht genügen, wenn er jemand nach dem Wege fragt, zur Antwort zu erhalten, daß der eine
der beiden Wege vielleicht ans Ziel führt. Er muß Gewißheit haben. Ebenso ist es mit jedem Menschen, der zum Bewußtsein über seinen Zustand erwacht ist und mit Schrecken sieht, daß
er auf dem breiten Weg ist, der ins Verderben führt. Es kann ihm nichts nützen, wenn ihm jemand einen Weg angibt, auf dem er hoffen kann, dem Verderben zu entrinnen. Er wird
nicht eher zur Ruhe kommen, bis er gewiß weiß, daß er auf dem rechten Wege, dem Wege zum ewigen Leben ist. Um dem einen oder anderen meiner Leser behilflich zu sein,
diese Gewißheit zu erlangen, möchte ich auf drei Dinge aufmerksam machen und sie unter der Leitung des Heiligen Geistes und im Lichte des Wortes Gottes etwas näher betrachten.
Diese sind:
1. Der Weg des Heils (Apg 16, 17).
2. Die Erkenntnis des Heils (Lk 1, 77).
3. Die Freude des Heils (Ps 51, 12).
Wir werden im Laufe unserer Betrachtung sehen, daß jedes dieser drei Dinge, trotz ihrer innigen Verbindung untereinander, dennoch seine besondere Grundlage hat, so daß es sehr
wohl möglich ist, daß eine Seele den Weg der Errettung kennt, ohne die bestimmte Gewißheit zu haben, daß sie selbst errettet ist, und daß ferner jemand seiner Errettung gewiß sein kann,
ohne zu allen Zeiten die Freude zu genießen, die diese Gewißheit begleiten sollte. Wenden wir zunächst unsere Aufmerksamkeit dem Wege der Errettung zu.
Über diesen Weg gibt uns Kapitel 13 im zweiten Buch Mose in einem Vorbilde klare Anweisung. Der Leser findet da die Worte aus dem Munde Jehovas: „Und jedes Erstgeborene des
Esels sollst du mit einem Lamme lösen, und wenn du es nicht lösest, so brich ihm das Genick; und jedes Erstgeborene von Menschen unter deinen Söhnen sollst du lösen“ (V. 13). Jetzt
möchte ich den Leser bitten, mir zu einer Szene zu folgen, die vor etwa 3000 Jahren stattgefunden haben mag. Zwei Männer, ein Priester Gottes und ein armer Israelit, stehen in eifrigem Gespräch beieinander. Nähern wir uns ihnen und lauschen ihren Worten. Die lebhaften Bewegungen von beiden lassen darauf schließen, daß sie eine Sache von Wichtigkeit verhandeln, und es fällt uns nicht schwer, zu erkennen, daß der Gegenstand der Unterhaltung ein kleiner Esel ist, der zitternd zwischen beiden steht.
„Ich bin gekommen“, hören wir den armen Israeliten sagen, „um mich zu erkundigen, ob nicht dies eine Mal zu meinen Gunsten eine Ausnahme gemacht werden kann. Dies kleine
Geschöpf hier ist das Erstgeborene meines Esels, und obgleich ich sehr wohl weiß, was das Gesetz Gottes sagt, so hoffe ich doch, daß Gott mir Erbarmen erzeigen und das Leben des
Tieres nicht von mir fordern wird. Ich bin ein armer Mann, und es ist mir unmöglich, es zu lösen“.
„Aber“, erwidert der Priester in bestimmtem Tone, „das Gesetz Jehovas sagt klar und unzweideutig: „Jedes Erstgeborene des Esels sollst du mit einem Lamme lösen, und wenn
du es nicht lösest, so brich ihm das Genick“. — Wo ist das Lamm?“
„Ich besitze kein Lamm.“ „Dann gehe, kaufe eins und komme wieder; anderenfalls muß dem Esel das Genick gebrochen werden. Entweder muß das Lamm sterben, oder der Esel.“
„Ach! dann sind alle meine Hoffnungen vernichtet“, ruft der Arme traurig aus; „ich bin nicht imstande, ein Lamm zu kaufen.“
Unterdessen hat sich eine dritte Person, ein freundlich aussehender alter Israelit, der Gruppe genähert. Er vernimmt den verzweifelten Ausruf des armen Mannes. Einen Augenblick steht er nachdenklich da, wendet sieb dann zu dem Armen und sagt freundlich: „Sei gutes Mutes, mein Freund; ich kann dir helfen. Ich habe in meinem Hause ein kleines Lamm, ein schönes Tierchen, ohne Fehl. Es ist die Freude aller im Hause und ist auch mir sehr teuer. Aber ich will es holen und es für deinen Esel opfern“. Mit diesen Worten eilt der mitleidige Fremde fort und kommt nach kurzer Zeit mit dem versprochenen Lamm zurück. Der Priester nimmt es in Empfang, schlachtet es und verbrennt es auf dem Altar. Nachdem dies geschehen ist, wendet er sich zu dem armen Mann, der dem ganzen Vorgang sprachlos zugeschaut hat, und sagt: „Jetzt kannst du deinen Esel ruhig mit nach deinem Hause nehmen. Das Lamm ist an seiner
Statt getötet worden, und infolgedessen geht der Esel gerechterweise frei aus. Bedanke dich bei deinem Freunde!“
Erkennst du, mein lieber Leser, in dem Erzählten nicht ein treffendes Bild der Errettung eines Sünders? Gott muß von dir wegen deiner Sünden „ein gebrochenes Genick“ fordern, mit
anderen Worten, Er muß ein gerechtes Gericht über dein schuldiges Haupt bringen. Die einzige Möglichkeit, diesem Gericht zu entrinnen, besteht darin, daß ein von Gott anerkannter und
angenommener Stellvertreter deinen Platz einnimmt. Aber wo willst du einen solchen Stellvertreter finden? Es geht dir wie dem armen Israeliten. Du bist nicht imstande, das von Gott geforderte Lamm zu beschaffen. Aber nun höre, was Gott getan hat, um deine Errettung zu ermöglichen. In der Person Seines eingeborenen, geliebten Sohnes hat Er Sich Selbst ein
Lamm vorgesehen, ein Lamm „ohne Fehl und ohne Flecken“.
„Siehe, das Lamm Gottes“, rief Johannes seinen Jüngern zu, als er die Person des Herrn Jesu erblickte, „siehe das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt wegnimmt!“
Dieser Jesus ging hinauf nach Golgatha „wie ein Lamm, das zur Schlachtung geführt wird“, und dort litt Er für unsere Sünden, „der Gerechte für die Ungerechten, auf daß Er uns zu
Gott führe“ (1. Petr 3, IS). Er wurde „unserer Übertretungen wegen dahingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt“ (Römer 4, 25). Deshalb braucht Gott nicht ein Jota von
Seinen gerechten und heiligen Ansprüchen fallen zu lassen, wenn Er den gottlosen Sünder, der an Jesum glaubt, rechtfertigt (Röm 3, 26).
Gott sei Dank für einen solchen Heiland und für eine solche Errettung! Wenn ein Mensch in Wahrheit an den Sohn Gottes glaubt, dann wird ihm der volle Wert des Opfertodes Christi zugerechnet, geradeso, als wenn er das Werk selbst vollbracht hätte. Gott sieht ihn nicht mehr in seinem alten, verwerflichen Zustand, sondern in der ganzen Annehmlichkeit der Person Christi. Sein Errettungsplan ist wahrhaft göttlich und Gottes Selbst würdig; er befriedigt Sein Herz der Liebe, verherrlicht Seinen Sohn und bringt den Sünder in ewige Sicherheit. Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi, Der Seinen Eingeborenen und Geliebten
gesandt hat, das große Werk der Erlösung zu vollbringen, und Der alles so völlig geordnet hat, daß so elende, sündige Geschöpfe wie du und ich durch den Glauben an Ihn nicht nur der
reichsten Segnungen, sondern auch für alle Ewigkeit der überaus köstlichen Gemeinschaft des Segnenden teilhaftig gemacht werden! „Erhebet Jehova mit mir und lasset uns miteinander
erhöhen seinen Namen“ (Ps 34, 3)!
Doch vielleicht erwiderst du mir: „Ich habe gelernt, von mir und von meinem eigenen Tun völlig abzusehen und nur auf Christum und auf Sein Werk zu vertrauen, und dennoch fehlt mir die volle Gewißheit meiner Errettung. Heute fühle ich mich ganz glücklich und erfreue mich meiner Annahme bei Gott durch den Glauben an Jesum und an Sein vergossenes Blut, und vielleicht morgen schon verwandelt sich meine Freude in Trauer und Ungewißheit. Woher mag dies wohl kommen?“
Auf diese Frage möchte ich dir mit einer Gegenfrage antworten: „Hast du schon jemals gehört, daß ein Kapitän die Anker seines Schiffes ins Schiff hinein wirft, um so einen sicheren
Ankerplatz zu finden?“ Niemals, nicht wahr? Er müßte denn seinen Verstand verloren haben. Er wirft die Anker stets nach außen, in das Meer hinein. Verstehst du, was ich mit diesem
Bilde sagen will? Es mag sein, daß du ganz klar verstehst, daß der Tod Christi allein Sicherheit vor dem ewigen Gericht zu geben vermag, und dennoch denkst du, deine Gefühle seien es,
die dir Gewißheit geben können. Statt nach außen zu blicken, blickst du in dich hinein, und da kann es nicht fehlen, daß du heute vielleicht glücklich bist, weil du die für einen Erretteten
passenden Gefühle in dir zu entdecken meinst, während du morgen beim Verschwinden dieser Gefühle wie ein vom Sturm umhergeworfenes Schiff unruhig und in Not bist. Dies führt
uns zu dem zweiten Hauptgegenstand unserer Betrachtung, zu der „Erkenntnis des Heils“.
Wieder muß ich den Leser bitten, seine Bibel zur Hand zu nehmen und das fünfte Kapitel im ersten Brief des Johannes aufzuschlagen. Da findet er einen Vers, der den Weg angibt, auf dem Gott dem Menschen die Erkenntnis des Heils mitteilt. Er lautet: „Dies habe ich euch geschrieben, auf daß ihr wisset, daß ihr ewiges Leben habt, die ihr glaubet an den Namen des
Sohnes Gottes“ (V. 13). Beachten wir wohl, daß es nicht heißt:
„Diese glücklichen,Gefühle habe ich euch gegeben, auf daß ihr
wisset usw.“
Woher wußten die erstgeborenen Söhne der Israeliten, daß sie in jener Nacht des Gerichts Jehovas über Ägypten vollkommen sicher waren? Laßt uns im Geiste zwei ihrer Häuser
besuchen und hören, was ihre Bewohner zu sagen haben.
Im ersten Hause, in das wir eintreten, entdecken wir auf den ersten Blick, daß alle Bewohner voll Furcht und gespannter Erwartung sind. Die Gesichter sind bleich, und zitternd stehen
Eltern und Kinder beieinander. Wir erkundigen uns nach der Ursache der allgemeinen Angst. Der älteste Sohn erzählt uns, daß Jehova in der kommenden Nacht durch das Land gehen
werde, um alle Erstgeburt zu schlagen, und daß er nicht ganz sicher sei, wie es ihm in dieser schrecklichen Stunde ergehen werde.
„Wenn Jehova an dem Hause meiner Eltern vorübergegangen und der Tag angebrochen ist, dann werde ich wissen, daß ich errettet bin; aber bis dahin bin ich nicht ganz sicher.
Unsere Nachbarn im nächsten Hause behaupten allerdings, ihrer Errettung völlig gewiß zu sein, aber wir halten dies für eine große Anmaßung. Alles, was ich tun kann, ist, daß ich die
lange, schreckliche Nacht durchwache und das Beste hoffe“. „Aber“, fragen wir weiter, „hat der Gott Israels denn nicht Seinem Volk einen Weg der Errettung angewiesen?“
„Allerdings“, lautet die Antwort, „und wir haben diesen Weg eingeschlagen. Wir haben nach Seinem Wort „ein einjähriges Lamm ohne Fehl“ geschlachtet und dessen Blut mit einem Bündel Ysop an die Oberschwelle und die Pfosten der Tür gestrichen, aber dennoch sind wir nicht sicher, ob uns dies wirklich schützen wird.“
Laßt uns jetzt diese zweifelnden, unruhigen Seelen verlassen und das nächste Haus betreten. Ein völliger Gegensatz tritt hier vor unser Auge! Eine friedliche Ruhe lagert auf jedem
Antlitz. Die Bewohner stehen da mit gegürteten Lenden, den Stab in ihrer Hand, und nähren sich von dem gebratenen Lamm. Worin mag diese Ruhe angesichts einer so schreckensvollen Nacht ihren Grund haben? Auf unser Befragen, warum sie so reisefertig an dem Tische stehen, erhalten wir zur Antwort: „Wir warten auf den Befehl Jehovas zum Aufbruch; sobald er eintrifft, werden wir den grausamen Frohnvögten und der harten Sklaverei Ägyptens für immer entfliehen“.
„Aber habt ihr denn ganz vergessen, daß dies die Nacht des Gerichts ist?“
„O nein, wir wissen das sehr wohl; aber unser Erstgeborener ist in völliger Sicherheit. Das Blut ist nach dem Willen Gottes an die Tür gestrichen worden“.
„Aber das ist auch hier im Nebenhause geschehen“, erwidern wir, „und dennoch sind dort alle unglücklich, weil sie der Errettung ihres Erstgeborenen nicht gewiß sind“.
In diesem Augenblick läßt sich die Stimme des ältesten Sohnes vernehmen. Er sagt in bestimmtem Tone: „Wir haben nicht nur das Blut, sondern auch das unumstößliche Wort
Gottes über das Blut. Gott hat gesagt: „Sehe ich das Blut, so werde ich an euch vorübergehen“. Gott ist befriedigt, wenn Er das Blut außen an unserer Tür sieht, und wir sind völlig
befriedigt durch Sein Wort. Er wird Sein Wort wahr machen. Und so ist es, mein lieber Leser. Das Blut des Lammes, das für uns vergossen ist, errettet uns, und das Wort, das aus dem
Munde Gottes hervorgegangen ist, gibt uns eine unerschütterliche Gewißheit. Könnte es etwas geben, das uns vor jedem Gericht sicherer stellen könnte, als das Blut Christi?
Könnte uns irgend etwas mehr Gewißheit verleihen, als das Urteil Gottes, Sein geschriebenes Wort? Nichts, gar nichts. Welches jener beiden Häuser war in größerer Sicherheit, das erste oder das zweite? Das zweite, denkst du vielleicht, weil dort alle ruhig und in Frieden waren? O nein, sage ich dir, beide waren gleich sicher. Ihre Sicherheit hing nicht von dem Zustand ihrer Gefühle innerhalb ah, sondern von dem, was Gott über das Blut außerhalb dachte. Und ebenso darfst du, wenn du über deine eigene Errettung gewiß sein willst, nicht auf das schwankende
Zeugnis innerer Gefühle lauschen, sondern auf das unfehlbare Zeugnis des Wortes Gottes. „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat,
hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht“ (Joh 5, 24).
Erlaube mir, dir ein Beispiel aus dem täglichen Leben zu erzählen. Ein gewisser Pächter hört, daß sein Grundherr eine schöne, fette Wiese in der Nähe seines Hauses zu verpachten
gedenkt. Schon lange hat er gewünscht, diese Wiese zu besitzen, da er für sein Vieh nicht Gras genug hat. Er schreibt an den Besitzer der Wiese, aber er erhält längere Zeit keine Antwort. Eines Tages besucht ihn ein Nachbar, dem er die Sache
erzählt. Der hört aufmerksam zu und sagt dann: „Oh, ich hin
fest überzeugt, daß du die Wiese erhalten wirst. Erinnerst du dich nicht, daß der Grundherr dir noch kürzlich ein schönes Geschenk machte und dabei deinen Fleiß und deine Pünktlichkeit lobte?“ Diese Worte erfüllen den Pächter mit zuversichtlicher Hoffnung. Am nächsten Tage begegnet ihm jedoch ein anderer Nachbar und bemerkt im Laufe der Unterhaltung:
„Ich fürchte, du hast nicht die geringste Aussicht, die Wiese zu bekommen. Ich habe gehört, daß Herr N. sie ebenfalls zu mieten wünscht, und du weißt, wie beliebt er bei deinem Grundherrn ist, wie er ihn fast täglich besucht usw.“ Die Hoffnungen des Pächters sinken durch diese Worte wieder erheblich.
Ganz niedergeschlagen kehrt er nach Hause zurück. Kaum ist er hier angelangt, da erscheint der Postbote und überbringt ihm die ersehnte Antwort. Der Pächter erkennt in der Aufschrift die wohlbekannten Schriftzüge seines Herrn. Erregt erbricht er den Brief. Er liest, und nach und nach hellt sich sein Gesicht auf; die ängstliche Erwartung und Sorge machen der freudigsten Überraschung Platz. Den Brief triumphierend in die Höhe haltend, ruft er seiner Frau zu: „Jetzt ist alles in Ordnung; Herr X. schreibt mir, daß das Feld mein sei, so lange ich es wünsche, und zwar zu den billigsten Bedingungen. Alle meine Befürchtungen waren vergebens. Mag jetzt
kommen, wer will, ich habe sein Wort, das genügt mir.“
Ach! wie mancher Gläubige befindet sich in einem ähnlichen Zustand wie der beunruhigte Pächter — umhergeworfen und in Verlegenheit gebracht durch die Meinungen der Menschen oder die Gedanken und Gefühle seines eigenen verräterischen Herzens! Nur das Wort Gottes annehmen als den unfehlbaren und untrüglichen Ausdruck der Gedanken und Ratschlüsse Gottes kann der Seele Ruhe geben und sie vor Zweifeln und Beängstigungen sicherstellen. Wenn Gott spricht, muß Gewißheit da sein, mag Er nun die Verurteilung des Gottlosen oder die Errettung des Gläubigen aussprechen. „In Ewigkeit, Jehova, steht dein Wort fest in den Himmeln“ (Ps 119, 89). Für den einfältigen Gläubigen ordnet Sein Wort alles.
„Nicht ein Mensch ist Gott, daß er lüge, noch ein Menschensohn, daß er bereue. Sollte er gesprochen haben und es nicht tun, und geredet haben und es nicht aufrechthalten“ (4. Mo 23,
19)? Aber, fragst du vielleicht, wie kann ich sicher sein, daß ich die rechte Art von Glauben habe? Auf diese Frage gibt es nur eine Antwort: „Setzest du dein Vertrauen auf die richtige Person, d. i. auf den gepriesenen Sohn Gottes?“ Es handelt sich nicht um die Größe deines Glaubens, sondern um die Vertrauenswürdigkeit der Person, auf die du dein Vertrauen setzt.
Der eine ergreift Christum gleichsam mit der Hast eines Ertrinkenden; der andere wagt sich Ihm nur von hinten zu nahen und den Saum Seines Kleides zu berühren. Doch darum ist der erste nicht mehr in Sicherheit, als der andere. Beide haben die gleiche Entdeckung gemacht, d. h. sie haben erkannt, daß sie auf sich selbst nicht das geringste Vertrauen setzen können, daß sie aber mit aller Ruhe auf Christum und auf Sein Wort vertrauen und in Seinem vollbrachten Werk ruhen dürfen. Siehe, das ist Glaube. „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, hat ewiges Leben“ (Joh 6, 47).
Der schwächste Glaube an diesen Jesus errettet den Sünder für alle Ewigkeit, während der stärkste Glaube an etwas außer Ihm, seien es nun gute Werke, religiöse Gebräuche, fromme Gefühle oder irgend etwas Ähnliches, ebenso sicher ins ewige Verderben führt. Und Ihm können wir in Wahrheit vertrauen. Er ist der geliebte Sohn, an Dem der Vater Seine ewige Wonne hat,
und Der für den Sünder im Gericht stand und die ganze Glut des göttlichen Zornes wider die Sünde trug. Doch ach! wie verkehrt ist das menschliche Herz! „Ich glaube wirklich an den Herrn Jesus“, sagte vor einiger Zeit ein junges Mädchen zu mir, „aber wenn man mich fragt, ob ich
errettet sei, dann möchte ich nicht gern „Ja“ sagen, aus Furcht zu lügen“.
Die Sprecherin war die Tochter eines Fleischers. Zufällig war jener Tag ein Markttag, und ihr Vater war ausgegangen, um Vieh einzukaufen. An diesen Umstand anknüpfend, sagte ich: „Nehmen wir an, Ihr Vater käme heim; Sie fragten ihn, wieviel Schafe er gekauft habe, und er erwiderte: „Zehn“. Nach einer Weile träte ein Fremder in den Laden und
fragte sie: „Wieviel Schafe hat Ihr Vater heute gekauft?“ und Sie antworteten: „Mein Vater hat gesagt: „zehn“, aber ich möchte dies nicht gerne behaupten, aus Furcht zu lügen“. Was
würden Sie damit tun?“
„Sie würde ihren Vater zu einem Lügner machen“, fiel die Mutter des Mädchens ein, die unserem Gespräch zugehört hatte.
„Ihre Mutter hat völlig Recht“, bemerkte ich, „Sie würden ihren Vater zu einem Lügner machen; und dies tun Sie, ohne es zu wollen und zu wissen, im Blick auf den Herrn Jesus. Sie
sagen: „Ich glaube an den Sohn Gottes, und Er sagt mir, daß ich dann ewiges Leben habe, aber ich möchte dies nicht gern aussprechen, aus Furcht zu lügen“. Sie machen den Herrn Jesus
zu einem Lügner, Wie schrecklich ist das!“
Wieder andere fragen: „Wie kann ich wissen, daß ich wirklich glaube? Ich habe oft genug versucht, zu glauben, und habe in mich geblickt, um zu sehen, ob ich den rechten Glauben
besitze, aber je mehr ich auf meinen Glauben blicke, um so weniger scheine ich ihn zu haben“. Ach., alle diese blicken in die verkehrte Richtung, und gerade ihre vergeblichen Anstrengungen, zu glauben, beweisen, daß sie auf dem falschen Wege sind. Wieder möchte ich versuchen, durch ein einfaches Beispiel aus dem täglichen Leben den Kern der Sache bloßzulegen.
Denke dir, du säßest eines Abends ruhig in deinem Zimmer.
Plötzlich klopft es, und auf dein „Herein!“ tritt ein Mann ins Zimmer, den du als eine wenig vertrauenswürdige Person kennst, die es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. Er erzählt dir, daß der Stationsvorsteher des Ortes soeben verunglückt und tot nach Hause gebracht worden sei. Glaubst du diesem Manne, oder versuchst du nur, ihm zu glauben?
„Sicherlich nicht!“ wirst du sagen. Aber warum nicht? Weil du auf deinen Glauben oder auf deine Gefühle blickst? Nein, weil du den Mann, der dir die Nachricht bringt, als einen Lügner kennst.
Einige Minuten später besucht dich ein Nachbar, der dich einmal vor langer Zeit betrogen hat und sagt: „Haben Sie schon gehört, daß der Stationsvorsteher heute Abend von einem Güterzug überfahren und sogleich getötet worden ist?“
Immer noch weißt du nicht, ob du die Botschaft als wahr annehmen sollst, da du glaubst, auch diesem Manne kein volles Vertrauen schenken zu können. Kaum aber hat er dich verlassen, da tritt dein bester Freund ins Zimmer und wiederholt
die Worte der beiden Besucher. „Jetzt glaube ich es“, rufst du aus, „denn mein Freund hat mich noch nie betrogen, und wird es auch sicherlich nie tun“. Und nun frage ich noch einmal:
„Warum glaubst du jetzt? Glaubst du, weil du in dir die rechten Gefühle entdeckst? O nein; du glaubst, weil dein Freund dein völliges Vertrauen verdient. Ebenso ist es mit der frohen
Botschaft, die Gott mir in Seinem Wort verkündigt.
Ich glaube sie, weil Er, Der sie mir bringt, nicht lügen kann, weil Er mein ganzes, rückhaltloses Vertrauen verdient. Ich blicke nicht auf
meinen Glauben, sondern auf Den, Der zu mir redet, und indem ich Ihn betrachte, rufe ich aus: „Ja, Er ist würdig, daß ich Ihm ganz vertraue; Er kann nicht lügen —Er wird Sein Wort
wahr machen.“ „Wenn wir das Zeugnis der Menschen annehmen, das Zeugnis Gottes ist größer; denn dies ist das Zeugnis Gottes, welches er gezeugt hat über seinen Sohn. Wer an den
Sohn Gottes glaubt, hat das Zeugnis in sich selbst; wer Gott
nicht glaubt, hat ihn zum Lügner gemacht, weil er nicht geglaubt hat an das Zeugnis, das Gott gezeugt hat über seinen
Sohn“ (1. Joh 5, 9. 10). „Abraham glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet“ (Röm 4, 3). So mancher betrachtet den Glauben als ein unbeschreibliches
Etwas, das er in sich fühlen müsse, um dann sicher zu sein, daß
er für den Himmel passend sei. Aber das ist der Glaube durchaus nicht. Der wahre Glaube blickt nach außen auf eine lebendige Person, auf Christum und auf Sein vollbrachtes Werk,
und lauscht ruhig auf das Zeugnis eines Gottes, der die Wahrheit und das Licht selbst ist. Und dieser Blick nach außen gibt
der Seele inneren Frieden. Wenn ich mein Antlitz der Sonne zukehre, so ist mein Schatten hinter mir; ich sehe ihn nicht.
Ebenso unmöglich ist es, einen verherrlichten Christus im Himmel und zu gleicher Zeit sich selbst anzuschauen. So sehen wir, daß die gesegnete Person des Sohnes Gottes mein Vertrauen gewinnt. Sein vollbrachtes Werk gibt mir ewige Sicherheit, und das Wort Gottes über alle, die an Ihn glauben, verleiht mir eine unumstößliche Gewißheit im Blick auf meine Errettung. Ich finde in Christo und in Seinem Werk den Weg des Heils und in dem Worte Gottes die Erkenntnis
des Heils.
Aber woher kommt es, daß so mancher, der seiner Errettung gewiß ist, dennoch so oft die Freude des Heils verliert und in einem ebenso unglücklichen, ja vielleicht noch unglücklicheren
Seelenzustand einhergeht, als vor seiner Bekehrung? Diese Frage führt uns zu dem dritten Abschnitt unserer Betrachtung. Wir finden in dem Worte Gottes, daß wir, errettet durch
das Werk Christi und gewiß gemacht durch das Wort Gottes, in dem Genuß des Heils, in unserer Freude und in unserem Trost aufrecht gehalten werden durch den Heiligen Geist, Der
in jedem Erretteten wohnt. Doch zugleich dürfen wir nicht vergessen, daß jeder Gläubige „das Fleisch“, d. h. die böse Natur, mit der er geboren wurde und die sich schon zeigte, als er noch
als- ein hilfloses Kind auf dem Schöße seiner Mutter lag, an sich trägt.
Der Heilige Geist in dem Gläubigen widersteht dem Fleische und wird durch jede Regung des Fleisches, sei es in Gedanken, Worten oder Werken, betrübt. Wenn der Christ
„würdig des Herrn“ wandelt, so wird der Heilige Geist in ihm Seine gesegneten Früchte: „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit usw.“ (Gal 5, 22) hervorbringen. Wandelt er in
einer fleischlichen, weltlichen Weise, so wird der Geist betrübt, und jene Früchte fehlen in größerem oder geringerem Maße.
So wie das Werk Christi und unsere Errettung miteinander stehen oder fallen, so stehen oder fallen auch miteinander unser Wandel und unser Genuß. Gott sei Dank, daß das Werk
Christi nie fallen kann! es besteht ewig, und damit unsere Errettung. Anders aber ist es mit unserem Wandel; er kann fallen, d. h. nicht in Übereinstimmung sein mit unserer Stellung
und Berufung; und dann wird sicher auch unsere Freude schwinden. Meine geistliche Freude wird stets mit dem geistlichen Charakter meines Wandels nach meiner Bekehrung in Übereinstimmung stehen. So lesen wir von den ersten Christen in Apg 9, 31 : „Sie wandelten in der Furcht des Herrn und wurden vermehrt durch den Trost des Heiligen Geistes“, und
in Apg 13, 52: „Die Jünger aber wurden mit Freude und Heiligem Geiste erfüllt.“
Wir sehen also, daß unsere Sicherheit abhängt von dem Werke Christi für uns, daß unsere Gewißheit beruht auf dem Worte Gottes zu uns, und daß endlich unser Genuß davon
abhängig ist, ob wir den Heiligen Geist in uns nicht betrüben. Niemals aber dürfen wir unsere Sicherheit und Gewißheit mit unserem Genuß verwechseln. Wenn wir als Kinder Gottes
etwas tun, was den Heiligen Geist betrübt, so ist unsere praktische Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn unterbrochen, und zwar so lange, bis wir uns selbst richten und
unsere Sünden bekennen. Erst dann wird die Freude der Gemeinschaft wiederhergestellt. Das Beispiel eines unartigen Kindes ist schon so oft angeführt worden, daß ich hier nur darauf
hinzudeuten brauche. Ein solches Kind erfreut sich nicht eher wieder des praktischen Genusses der Liebe und der Gemeinschaft des Vaters, bis es seine Unart bekannt und seiner Trauer
über das Vorgefallene Ausdruck gegeben hat. Doch dies hat nichts mit seiner Kindschaft zu tun. Diese beruht auf seiner Geburt, nicht aber auf seinem Verhalten. Als David sich mit
dem Weibe des Uria so schwer vergangen hatte und zum Bewußtsein seiner Sünde gekommen war, betete er nicht: „Laß mir wiederkehren deine Rettung“‚, sondern: „Laß mir wiederkehren die Freude deines Heils“ (Ps 51, 12)!
So ist es mit jedem Gläubigen. Hat er gesündigt, dann ist die Gemeinschaft unterbrochen und seine Freude so lange gestört, bis er mit einem „gebrochenen und zerschlagenen Herzen“ zum Vater kommt und seine Sünde bekennt. Aber dann erhält er die Gewißheit, daß ihm die Sünde vergeben ist; denn das Wort Gottes bezeugt klar und bestimmt: „Wenn wir
unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit“ (1. Joh 1, 9). Oh, möchte doch keins der teuren Kinder
Gottes jemals vergessen, daß es nichts Festeres gibt, als das Band des Kindesverhältnisses zu seinem Gott und Vater, aber auch nichts Zarteres, als das Band der Gemeinschaft!
Keine Macht der Erde und der Hölle vermag das erste zu verletzen, während ein einziger unreiner Gedanke, ein einziges unnützes Wort das zweite notwendig zerreißen muß.
Haben wir uns daher vergessen und den Genuß der Gemeinschaft mit unserem Gott und Vater und Seinem Sohne Jesu Christo verloren, so laßt uns stillestehen und mit aufrichtigem Ernst unser Herz auf unseren Weg richten! Und haben wir den Dieb entdeckt, der uns unsere Freude und unseren Frieden geraubt hat, so laßt uns ihn sogleich ans Licht bringen, laßt uns unsere Sünde vor unserem Vater bekennen und schonungslos mit uns selbst ins Gericht gehen wegen des unwachsamen, gleichgültigen Zustandes unseres Herzens, der dem Dieb erlaubt hat, einzudringen.
Denken wir nicht, daß die Sünde des Gläubigen vor Gott weniger hassenswert sei, als die Sünde des Ungläubigen. Gottes Gedanken über die Sünde sind stets gleich; Er kann ebensowenig stillschweigend an der Sünde des Gläubigen vorübergehen, wie an der Sünde eines Verächters Seines geliebten Sohnes. Wohl gibt es einen Unterschied zwischen diesen beiden Personen. Die Sünden des Gläubigen waren alle im voraus Gott bekannt und wurden alle auf das
von Ihm zuvor erkannte Lamm gelegt, als es auf Golgatha am Stamme des Kreuzes hing. Dort wurde ein für allemal die richterliche Frage in bezug auf diese Sünden geordnet, indem
das Gericht für sie das Haupt des reinen, fleckenlosen Opferlammes traf, das „an seinem Leibe unsere Sünden auf dem Holze trug“ (1. Petr 2, 24). Der Verwerfer Christi dagegen
muß selbst seine Sünden für immerdar in dem Feuersee tragen.
Wenn daher ein Erretter fehlt, so kann die richterliche Frage nicht wieder erhoben werden, wohl aber wird die Frage der Gemeinschaft erhoben, so oft er den Heiligen Geist betrübt;
und wenn ein solcher Christ trotz der Mahnungen seines Gewissens und der Stimme des Heiligen Geistes, die ihn in seinem Inneren straft, auf seinem bösen Wege vorangeht, so
werden Züchtigungen von seiten des Vaters ihn treffen. Er wird gerichtet in den Wegen der Regierung Gottes auf Erden, wie der Apostel den Korinthern zuruft: „Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir vom Herrn gezüchtigt, auf daß wir nicht mit der Welt verurteilt werden“ (1. Kor 11, 32).
Indessen wiederhole ich noch einmal, daß durch die Untreue eines Gläubigen und durch die ihr notwendigerweise folgende ernste Sprache Gottes die Frage der Errettung in keiner Weise
berührt wird. Wenn mein Herz infolge meiner Unwachsamkeit und Untreue unglücklich und gedrückt ist, so wird dadurch weder das Werk Christi noch das Wort Gottes verändert. Was sich verändert hat, ist die Tätigkeit des Heiligen Geistes. Statt von den herrlichen Dingen Christi nehmen und mein Herz mit dem Bewußtsein und dem Genuß Seiner Vortrefflichkeit und
Schönheit erfüllen zu können, ist Er betrübt und muß sich mit meiner Sünde und Untreue beschäftigen, um mich zu einem Gefühl meines traurigen Zustandes zu bringen.
Und der Vater, statt mich Seine köstliche Gemeinschaft genießen lassen zu können, muß mich, wenn ich in der Sünde verharre, züchtigen und mit mir über mich selbst reden. Ach! welch ein unermeßlicher Verlust ist das! Möchte der Herr uns mit jedem Tag
wachsamer und eifersüchtiger über uns selbst machen, damit
wir nicht den Heiligen Geist betrüben, durch welchen wir versiegelt sind auf den Tag der Erlösung (Eph 4, 30)!
Gepriesen sei unser geliebter Herr, daß Er in Seiner Gnade und Güte Sich nie verändert! „Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit“ (Hebr 13, 8). Auch Sein
Werk wird sich nie verändern. „Ich habe erkannt, daß alles, was Gott tut, für ewig sein wird; es ist ihm nichts hinzuzufügen und nichts davon wegzunehmen“ (Pred 3, 14). Und
ebensowenig wird Sein Wort jemals wanken. „Alles Fleisch ist wie Gras, und alle seine Herrlichkeit wie des Grases Blume.
Das Gras ist verdorrt, und seine Blume ist abgefallen; aber das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit“ (1. Petr 1, 24. 25). Welch eine Ruhe gibt uns dies angesichts unserer Schwachheit!
Der Gegenstand meines Vertrauens, die Grundlage meines Heils, der Grund meiner ewigen Sicherheit und Gewißheit, sie sind alle gleich unveränderlich, so unerschütterlich wie Gott
Selbst.
Doch sollte uns das Bewußtsein, daß wir so hoch begnadigt sind, und daß unser Heil in Ihm für alle Ewigkeit feststeht, gleichgültig machen? O nein und abermals nein! Wo eine solche Gesinnung vorhanden ist, da verrät sie einen sehr traurigen Zustand des Herzens. Man gebraucht dann die Gnade Gottes und die Freiheit, zu der Er uns gebracht hat, zu einem Anlaß für das Fleisch. Wie schrecklich dies ist, brauche ich nicht zu sagen. Gebe der Herr uns allen in Seiner Gnade, daß wir würdig wandeln der Berufung, womit wir berufen sind! Möchte Er in unseren Herzen eine heilsame Furcht vor der Sünde, ja vor uns selbst, und zugleich eine wahre Gottesfurcht erwecken! Möchten wir nie vergessen, daß wir Den als Vater
anrufen, der Licht ist und der ohne Ansehen der Person richtet nach eines jeden Werk!
„Wenn wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber in dem Lichte wandeln, wie er in dem Lichte ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde“ (1. Joh 1, 6. 7).
George Cutting BdH 1882


