Psalm 115 – „Nicht uns, HERR, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre“

Psalm 115 – „Nicht uns, HERR, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre“

1. Einleitung – Geschichte & Kontext

Psalm 115 ist ein Gemeinschaftspsalm, wahrscheinlich aus einer Zeit nationaler Schwäche oder Spott durch andere Völker. Er stellt zwei Wege gegenüber:

  • den lebendigen Gott, der hört, sieht, handelt
  • die toten Götzen, die nichts können

Der Psalm ist ein Ruf:

„Gott allein gehört die Ehre – und Gott allein schenkt Hilfe.“

Spurgeon: „Psalm 115 ist ein Schlag gegen den Stolz des Menschen und gegen die Torheit der Götzen. Er beginnt mit einer Selbstverleugnung, die nur wahre Anbetung kennt: Nicht uns, sondern dir. Der Psalm zeigt den lebendigen Gott im Gegensatz zu den stummen Idolen. Er ist ein Lied für Zeiten, in denen der Glaube verspottet wird.“

2. Struktur des Psalms

  1. V. 1 – Der Grund aller Anbetung: Gottes Ehre
  2. V. 2–8 – Der Spott der Völker und die Ohnmacht der Götzen
  3. V. 9–11 – Aufruf zum Vertrauen
  4. V. 12–15 – Gottes Segen für sein Volk
  5. V. 16–18 – Gottes Herrschaft und das Lob der Lebenden

3. Vers‑für‑Vers‑Auslegung

V. 1 – Nicht uns, HERR, nicht uns

Der Psalm beginnt mit radikaler Demut:

  • keine Selbstverherrlichung
  • keine menschliche Ehre
  • nur Gottes Name zählt

V. 2 – Wo ist nun ihr Gott?

Die Völker spotten – typisch für Zeiten der Schwäche.

V. 3 – Unser Gott ist im Himmel

Gott ist souverän und frei.

V. 4–8 – Die Götzen der Nationen

Götzen:

  • haben Augen, sehen aber nicht
  • haben Ohren, hören aber nicht
  • haben Hände, handeln aber nicht
  • sind tot und machtlos

Und: Wer ihnen vertraut, wird ihnen ähnlich – geistlich taub, blind, tot.

V. 9–11 – Israel, vertraue auf den HERRN

Dreifacher Aufruf:

  • Israel
  • Haus Aaron
  • alle Gottesfürchtigen

Gott ist Hilfe und Schild.

V. 12–13 – Der HERR gedenkt unser

Gott vergisst sein Volk nicht.

V. 14–15 – Der HERR mehre euch

Gott schenkt:

  • Wachstum
  • Zukunft
  • Segen

V. 16 – Der Himmel ist des HERRN Himmel

Gott herrscht – der Mensch empfängt.

V. 17 – Die Toten loben den HERRN nicht

Lob gehört zu den Lebenden.

V. 18 – Wir aber wollen den HERRN preisen

Ein Bekenntnis für Generationen.

4. Theologische Linien

  • Gott allein verdient Ehre.
  • Götzen sind machtlos – Gott ist lebendig.
  • Vertrauen ist die Antwort auf Spott.
  • Gottes Segen gilt seinem Volk.
  • Lob ist Aufgabe der Lebenden.
  • Der Psalm verbindet Demut, Apologetik, Trost und Anbetung.

5. Christus im Psalm 115

Psalm 115 erfüllt sich vollkommen in Jesus Christus:

  • Er ist der, der Gottes Ehre sucht, nicht seine eigene (Joh 7,18).
  • Er ist der lebendige Gott im Fleisch (Joh 1,14).
  • Er ist der, der Götzen entlarvt (Mt 6,24).
  • Er ist der Schild und Helfer seines Volkes (Joh 10,28).
  • Er ist der, der Segen und Wachstum schenkt (Joh 15,5).
  • Er ist der, der den Tod besiegt, damit wir ewig loben können (Offb 1,18).

Spurgeon: „Christus ist der lebendige Gott im Gegensatz zu allen stummen Götzen.“

6. Praktische Anwendungen

  • Gib Gott die Ehre – nicht dir selbst. Ps 115,1; 1 Kor 10,31; Joh 3,30
  • Lass dich nicht vom Spott der Welt einschüchtern. Ps 115,2; 1 Petr 4,14; Ps 42,4
  • Götzen sind tot – prüfe deine eigenen. Ps 115,4–8; Kol 3,5; 1 Joh 5,21
  • Vertraue Gott als deinem Schild. Ps 115,9–11; Ps 3,4; Eph 6,16
  • Gott vergisst dich nicht – er gedenkt deiner. Ps 115,12; Jes 49,15; Hebr 13,5
  • Lobe Gott, solange du lebst. Ps 115,17–18; Ps 146,2; Hebr 13,15

7. Tabelle

AbschnittInhaltNT‑BezugAnwendung
V. 1Gottes EhreJoh 3Demut
V. 2–8GötzenkritikMt 6Prüfung
V. 9–11VertrauenEph 6Glaube
V. 12–15SegenJoh 15Hoffnung
V. 16–18Lob der LebendenHebr 13Anbetung

8. Leitvers

„Nicht uns, HERR, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre.“ (Ps 115,1)