1Samuel 10 – Die Salbung Sauls und Gottes Bestätigung durch Zeichen
Ein Kapitel über Berufung, Geist, Gehorsam – und die ersten Risse im Charakter Sauls.
1. Einleitung
- Samuel 10 ist der Moment, in dem Saul offiziell von Gott zum König bestimmt wird. Doch das Kapitel zeigt zugleich die Spannung, die Sauls ganze Regierungszeit prägen wird:
- Gott gibt Saul alles, was er braucht.
- Saul bleibt innerlich unsicher und halbherzig.
Berufung ist da – Charakter fehlt.
2. Versweise Auslegung mit Bibellehrern
Vers 1 – Die Salbung Sauls
„Da nahm Samuel die Ölflasche und goss sie auf sein Haupt…“
- Die Salbung ist privat, nicht öffentlich.
- Öl = Zeichen des Geistes, der Bevollmächtigung, der Erwählung.
Keil & Delitzsch: „Die Salbung ist Gottes Siegel, nicht Samuels Idee.“ Wiersbe: „Gott gibt Saul eine echte Chance – trotz Israels falscher Motivation.“
NT‑Bezug: Christus ist der Gesalbte (Lk 4,18).
Verse 2–4 – Die ersten beiden Zeichen
1. Zeichen: Die Eselinnen sind gefunden (V. 2)
Gott bestätigt: „Die Eselinnen sind gefunden.“
- Gott zeigt: Er hat Sauls Alltag in der Hand.
2. Zeichen: Drei Männer geben Saul Brot (V. 3–4)
- Brot = Versorgung
- Zwei Brote = Bestätigung
Matthew Henry: „Gott bestätigt Sauls Berufung durch alltägliche Begegnungen.“
Verse 5–7 – Das dritte Zeichen: Der Geist Gottes kommt über Saul
„Der Geist des HERRN wird über dich kommen… und du wirst verwandelt werden.“
- Saul wird prophetisch reden.
- Gott gibt ihm eine neue Befähigung.
Gaebelein: „Gott gibt Saul alles, was er braucht – aber nicht das, was er nicht will: ein neues Herz im moralischen Sinn.“ Spurgeon: „Ein anderes Herz ist nicht das gleiche wie ein neues Herz.“
NT‑Bezug: Apg 2 – Der Geist befähigt zum Dienst.
Vers 8 – Die entscheidende Anweisung
„Warte sieben Tage…“
- Diese Anweisung wird später (Kap. 13) Sauls Prüfstein.
- Gehorsam ist wichtiger als Salbung.
MacArthur: „Sauls Problem war nie Informationsmangel, sondern Gehorsamsmangel.“
Verse 9–13 – Gott gibt Saul ein anderes Herz
„Gott gab ihm ein anderes Herz.“
- Nicht Wiedergeburt, sondern Befähigung.
- Saul prophezeit – ein öffentliches Zeichen.
NT‑Bezug: 2Kor 5,17 – Das neue Herz kommt nur durch Christus.
Verse 14–16 – Saul verschweigt die Salbung
Saul erzählt seinem Onkel von den Eselinnen – aber nicht von der Königssalbung.
- Zeichen seiner Unsicherheit.
- Er ist berufen, aber noch nicht bereit.
Matthew Henry: „Saul hat die Salbung, aber nicht den Mut.“
Verse 17–19 – Samuel ruft Israel nach Mizpa
Samuel erinnert Israel:
- Gott hat sie gerettet
- Gott hat sie geführt
- Doch sie haben Gott verworfen
„Ihr habt gesagt: Ein König soll über uns sein.“
Keil & Delitzsch: „Samuel predigt, bevor er krönt.“
Verse 20–21 – Die Lose fallen auf Saul
- Gott bestätigt die Wahl öffentlich.
- Saul wird ausgewählt – aber er versteckt sich.
Wiersbe: „Saul war groß an Gestalt, aber klein an Mut.“
Vers 22 – Saul versteckt sich im Gepäck
„Siehe, er hat sich bei den Geräten versteckt.“
- Ein König, der sich versteckt.
- Ein Hinweis auf seine innere Unsicherheit.
Spurgeon: „Manche Menschen sind zu groß, um klein zu sein – und zu klein, um groß zu sein.“
Verse 23–24 – Saul wird öffentlich eingesetzt
„Da ist euer König!“
- Das Volk jubelt.
- Sie sehen seine Größe – nicht sein Herz.
NT‑Bezug: Joh 6,15 – Das Volk will einen König nach eigenen Vorstellungen.
Vers 25 – Samuel erklärt das Königsrecht
Samuel schreibt die Rechte des Königtums nieder.
- Der König steht unter Gottes Gesetz.
- Gottes Ordnung bleibt bestehen.
Verse 26–27 – Zwei Reaktionen
- Tapfere Männer folgen Saul – Gott bewegt ihre Herzen.
- Söhne Belials verachten Saul – sie sehen nur das Äußere.
Saul schweigt – er rächt sich nicht.
Gaebelein: „Sauls Anfang ist demütig – sein Ende wird stolz sein.“
3. Theologische Linien des Kapitels
- Gott beruft – aber Berufung ersetzt keinen Charakter.
- Gott bestätigt durch Zeichen, aber Gehorsam bleibt entscheidend.
- Der Geist befähigt, aber zwingt nicht zur Treue.
- Saul ist der König nach dem Wunsch des Volkes – nicht nach Gottes Herz.
- Gott bleibt souverän, auch wenn Menschen falsche Motive haben.
4. AT–NT‑Tabelle zu 1. Samuel 10
| Thema | 1. Samuel 10 | Neues Testament |
|---|---|---|
| Salbung | Saul wird gesalbt | Christus, der Gesalbte (Lk 4,18) |
| Geist Gottes | Saul prophezeit | Apg 2 |
| Berufung | Gott erwählt Saul | Joh 15,16 |
| Gehorsam | „Warte sieben Tage“ | Joh 14,15 |
| König nach Menschenwunsch | Saul | Joh 6,15 |
5. Praktische Anwendungen
1. Gott gibt Berufung – aber wir müssen Charakter entwickeln
Saul hat Öl, aber kein Herz.
2. Gott bestätigt seinen Weg – aber wir müssen gehorchen
Die Zeichen sind klar, der Gehorsam wird geprüft.
3. Der Geist befähigt – aber zwingt nicht
Saul prophezeit, aber bleibt innerlich unsicher.
4. Äußere Größe ist kein geistlicher Vorteil
Saul ist groß – aber versteckt sich.
5. Gott bleibt souverän, auch wenn Menschen falsche Motive haben
Er führt seinen Plan trotz Sauls Schwächen.
6. Fazit
1. Samuel 10 beschreibt die Salbung Sauls und die göttliche Bestätigung seiner Berufung. Gott gibt ihm Zeichen, den Geist und klare Anweisungen. Doch Sauls Unsicherheit zeigt sich früh: Er verschweigt die Salbung, versteckt sich bei der öffentlichen Wahl und zeigt wenig geistliche Reife.
Das Kapitel macht deutlich: Berufung ersetzt keinen Charakter, und äußere Größe ist kein Ersatz für inneres Vertrauen. Gott bleibt souverän – auch wenn Israel einen König nach seinen eigenen Vorstellungen wählt.

