Jesaja 57 – Der Weg der Gottlosen und der Weg des Friedens
1. Überblick über das Kapitel
Jesaja 57 ist ein Kapitel voller Kontraste:
- die Gerechten, die sterben – und niemand versteht es
- die Gottlosen, die Götzendienst treiben
- die geistliche Untreue Israels
- Gottes Ruf zur Umkehr
- Gottes Verheißung von Frieden für die Zerbrochenen
- keine Ruhe für die Gottlosen
Charles Spurgeon:
„Jesaja 57 zeigt zwei Wege: den Weg des Friedens und den Weg der Unruhe.“
2. Prophetische Zeitangabe
a) Historische Perspektive
Jesaja spricht in eine Zeit:
- zunehmender Götzendienst
- moralischer Verfall
- politischer Unsicherheit
- geistlicher Untreue
Nach dem Exil wird dieses Kapitel besonders relevant:
- Israel kehrt zurück
- doch geistliche Erneuerung bleibt aus
- Götzendienst und Kompromisse kehren zurück
b) Prophetische Bedeutung
Jesaja 57 erfüllt sich in drei Ebenen:
- Historisch: Israels geistliche Untreue vor und nach dem Exil
- Messianisch: Frieden für die Zerbrochenen (V.15; Mt 5,3–9)
- Eschatologisch: endgültige Trennung zwischen Gerechten und Gottlosen
John MacArthur:
„Jesaja 57 ist ein Spiegel für das Herz – ein Ruf zur echten Umkehr.“
Derek Kidner:
„Die Götzen mögen modernere Namen tragen, aber ihr Wesen ist gleich.“
Hauptzeitpunkt: Prophetisch 7.–6. Jh. v. Chr., erfüllt in Christus, vollendet im Endgericht.
3. Aufbau des Kapitels
- Der Tod der Gerechten (V.1–2)
- Die Gottlosen und ihr Götzendienst (V.3–13)
- Gottes Erneuerung der Zerbrochenen (V.14–19)
- Keine Ruhe für die Gottlosen (V.20–21)
4. Vers‑für‑Vers‑Auslegung
V.1–2 – Der Tod der Gerechten ist Gnade
Die Gerechten sterben – und niemand versteht:
- Gott nimmt sie weg vor dem kommenden Unheil
- sie gehen ein in Frieden
- sie ruhen auf ihren Lagern
Spurgeon:
„Der Tod der Gerechten ist nicht Verlust – er ist Befreiung.“
V.3–10 – Die geistliche Untreue Israels
Gott nennt Israel:
- Kinder der Zauberin
- Nachkommen des Ehebrechers
- Götzendiener auf Bergen, Hügeln und unter Bäumen
Bilder:
- geistliche Prostitution
- Opfer für fremde Götter
- Kinderopfer (V.5)
- Bündnisse mit fremden Mächten (V.9)
Warren Wiersbe:
„Götzendienst beginnt im Herzen – lange bevor er sichtbar wird.“
V.11–13 – Gott stellt Israel zur Rede
Gott fragt:
- „Vor wem hast du dich gefürchtet?“
- „Warum hast du mich vergessen?“
- „Deine Götzen werden dich nicht retten.“
Derek Kidner:
„Götzen versprechen viel – und retten nichts.“
V.14 – Der Ruf: „Macht Bahn!“
Ein Ruf zur Erneuerung:
- Hindernisse entfernen
- Wege ebnen
- Rückkehr zu Gott ermöglichen
NT‑Bezug: Johannes der Täufer (Jes 40,3).
V.15 – Der hohe und erhabene Gott wohnt bei den Zerbrochenen
Einer der schönsten Verse des Alten Testaments:
- Gott ist hoch und erhaben
- Gott wohnt in der Höhe
- und bei dem zerbrochenen und demütigen Geist
Spurgeon:
„Gott wohnt nicht in stolzen Herzen – aber er wohnt gern in zerbrochenen.“
V.16–19 – Gottes Heilung für die Zerbrochenen
Gott:
- straft, aber nicht für immer
- heilt die Zerbrochenen
- schafft Frucht der Lippen
- spricht: „Friede, Friede dem Fernen und dem Nahen“
NT‑Bezug: Epheser 2,17.
John MacArthur:
„Jesaja 57,19 ist ein prophetischer Blick auf das Evangelium für Juden und Heiden.“
V.20–21 – Keine Ruhe für die Gottlosen
Die Gottlosen sind wie:
- das aufgewühlte Meer
- voller Schmutz und Schlamm
- ohne Ruhe
„Kein Friede den Gottlosen.“
5. Theologische Hauptlinien
- Der Tod der Gerechten ist Gnade, nicht Strafe.
- Götzendienst ist geistliche Untreue.
- Gott ruft zur Umkehr und stellt das Herz bloß.
- Gott wohnt bei den Zerbrochenen, nicht bei den Stolzen.
- Gottes Friede gilt Juden und Heiden.
- Die Gottlosen haben keine Ruhe – weder jetzt noch in Ewigkeit.
- Wahre Erneuerung beginnt im Herzen.
6. NT‑Verbindungen
- Matthäus 5 – Seligpreisungen
- Johannes 14,27 – Frieden Christi
- Epheser 2,17 – Friede für Ferne und Nahe
- Jakobus 4 – Freundschaft mit der Welt
- Offenbarung 21 – endgültige Trennung von Gut und Böse
7. Praktische Anwendungen
- Der Tod eines Gerechten ist nicht sinnlos – Gott schützt ihn vor Bösem.
- Götzen sind heute subtil: Karriere, Kontrolle, Lust, Sicherheit.
- Gott ruft dich zur Umkehr – nicht zur Selbstrechtfertigung.
- Zerbrochenheit ist kein Hindernis – sie ist Gottes Wohnort.
- Gottes Friede ist übernatürlich und unabhängig von Umständen.
- Ohne Gott gibt es keine Ruhe – nur Unruhe.
- Baue Hindernisse ab, die dich von Gott trennen.
8. Tabelle
| Abschnitt | Inhalt | Prophetische Zeit | Bibellehrer | NT‑Bezüge | Anwendung |
|---|---|---|---|---|---|
| V.1–2 | Tod der Gerechten | Zeitlos | Spurgeon | Phil 1 | Gott schützt durch den Tod |
| V.3–10 | Götzendienst | Vor/ nach Exil | Wiersbe | Jak 4 | Götzen entlarven |
| V.11–13 | Gottes Anklage | Zeitlos | Kidner | Mt 6 | Falsche Furcht überwinden |
| V.14 | Ruf zur Erneuerung | Exil / NT | Henry | Mt 3 | Wege zu Gott ebnen |
| V.15 | Gott bei den Zerbrochenen | Zeitlos | Spurgeon | Mt 5 | Demut als Wohnort Gottes |
| V.16–19 | Heilung & Friede | Messianisch | MacArthur | Eph 2 | Friede empfangen |
| V.20–21 | Keine Ruhe | Zeitlos | Wiersbe | Offb 21 | Ohne Gott keine Ruhe |
9. Fazit
Jesaja 57 ist ein Kapitel der Konfrontation und des Trostes. Es zeigt die Unruhe der Gottlosen und den Frieden der Zerbrochenen. Ein Kapitel, das das Herz prüft – und den Weg zum Frieden zeigt.

